Rote Fahne 24/2019

Rote Fahne 24/2019

Wie VW die Fridays-for-Future-Bewegung zu kapern versucht

Die Herren (und Damen) in der Konzernzentrale zittern vor einer eigenständigen Jugendbewegung in Wolfsburg – und ziehen alle Register

Von Wolfsburg (Korrespondenz)
Wie VW die Fridays-for-Future-Bewegung zu kapern versucht
VW: imperialistischer Machtblock mit vier Schornsteinen (Foto: Elena Savelyeva / CC BY-NC 2.0)

Noch am 15. März 2019 sprach Erik Hädrich, ein Jugendlicher aus Wolfsburg, unter dem Jubel von 150 Aktivsten vor dem VW-Werk über den „imperialistischen Machtblock mit den vier Schornsteinen, den wir bekämpfen müssen“ (anzusehen auf Youtube). Im Mai 2019 rief dann das Orga-Team von Fridays for Future (FFF), zusammen mit einem „internationalen Freundeskreis“ und „Young Friends“ Wolfsburg, zu den EU-Wahlen auf.

 

Statt Kritik am VW-Konzern wurden die Jugendlichen auf die Wahlen orientiert, bei denen sie angeblich über den Kurs mitbestimmen könnten. Der Vorsitzende der NGO „Young Friends“ ist zugleich auch die Kontaktadresse der Falken (eine SPD-nahe Jugendorganisation) in Wolfsburg. Im Juli sprach die Leiterin des Orga-Teams von FFF im Stadtparlament – und kein kritisches Wort zum VW-Konzern. Es ging nur noch um kommunale Forderungen.

 

Am 20. September hetzte das gleiche Orga-Team die Polizei auf die Fahnenträger der MLPD. Am 3. Oktober fand dann das „Einheitsbuddeln“ statt. Freudig pflanzten Jugendliche von FFF symbolisch und zusammen mit einigen SPD-Politikern eine Elsbeere in den kaputten Wolfsburger Wald, im Rahmen eines bundesweiten Aktionstags von „betterplace.org“, der von einem gewissen Thomas Kurella vorgeschlagen wurde. Thomas Kurella ist ein VW-Manager, der Leiter der Fertigungsautomation Lackiererei, Logistik, Fördertechnik im Werk Wolfsburg. Das findet man erst nach Recherchen heraus, dieser Manager tritt ja – wie so oft in der Bewegung – „nur als Mensch“ in Erscheinung. Die Plattform „betterplace.org“ ist eine NGO zur Organisierung des Greenwashings von Unternehmen. Dort können Unternehmen Gelder spenden und aktive Bürger dann „Gutes tun“ – natürlich werden die Firmen damit Werbung machen. Freudig schreiben die bürgerlichen Journalisten der Wolfsburger Nachrichten über diese Aktion: „In Wolfsburg wird aus der Protestbewegung ‚Fridays for Future‘ eine Handlungsbewegung.“

 

Also ist es keine Handlung, eine weltweite, antikapitalistische Bewegung auf die Beine zu stellen. Aber einen Baum in einen bundesweit kaputten Wald zu pflanzen, das ist eine Handlung? Am 8. Oktober versorgte dann VW das sogenannte „Waldforum“ der Stadt Wolfsburg freundlicherweise mit Essen.

 

Eindrücklich sieht man hier, wohin die Masche der Liquidatoren1 führt, dass sich alle inkognito bewegen. Ehe man es sich versieht, arbeitet man mit VW-Managern und der ganzen SPD zusammen. Das Schöne ist: Es soll ja keiner seine Fahne zeigen. Wie aber können die Jugendlichen dann merken, mit wem sie gerade zusammenarbeiten? Diese Art von Zusammenarbeit muss sofort gestoppt werden, und die Liquidatoren, die diese Richtung fördern, müssen entlarvt und aus der Bewegung entfernt werden. Nur wenn diese Auseinandersetzung ausgetragen wird, kann die Jugendumweltbewegung zu einer Bewegung des aktiven Massenwiderstands und zu einer gesellschaftsverändernden Bewegung höherentwickelt werden.