Rote Fahne 12/2018

Israels Entwicklung zu einem imperialistischen Land

Bei seiner Staatsgründung 1948 war Israel noch weitgehend ein Agrarland. Heute ist Israel ein industriell hoch entwickeltes kapitalistisches Land

Von ba
Israels Entwicklung zu einem imperialistischen Land
Nakba-Tag 2018: Protest gegen Vertreibung und Unterdrückung (Foto: Jordi Bernabeu Farrus / CC BY 2.0)

Massive Wirtschaftshilfen durch die USA, aber auch der Bundesrepublik Deutschland, förderten die rasche Industrialisierung. Es entstanden deshalb zunächst vor allem staatliche Betriebe.

 

In den 1980er-Jahren begann die eigenständige imperialistische Entwicklung Israels. Eine Grundlage dafür bildete die zunehmende Privatisierung staatlicher Großbetriebe und später auch der Banken, damit sie ihr Kapital in andere Länder exportieren konnten. Die jährlichen Direktinvestitonen in das Ausland stiegen rasant von 129 Millionen US-Dollar (1990) auf 13,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2006. Durch Kapitalexport in umliegende arabische Nachbarstaaten, die Türkei und nach Asien wurden zahlreiche Bereiche traditioneller Produktion ausgelagert. Dadurch stieg der Bestand an Kapital im Ausland auf 102 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016. Gleichzeitig wurde Kapital in Höhe von 113 Milliarden US-Dollar importiert. Das Land ist also eng mit dem internationalen Finanzkapital verflochten.

 

In der Liste der weltweit 2000 größten börsennotierten Monopole befinden sich 10 israelische Monopole aus den Branchen Pharma, Banken, Chemie, Mischkonzerne, Öl und Gas. Teva Pharmaceutical Industries, der Mutterkonzern von Ratiopharm, gehört zu den 500 größten internationalen Übermonopolen.

 

Unter den 100 größten Militärunternehmen 2016 befinden sich drei israelische Rüstungskonzerne. Israels Armee ist mit 170 000 Soldaten (und 600 000 Reservisten), gemessen an der Bevölkerungszahl von 9 Millionen, die größte der Welt und rangiert der Schlagkraft nach auf Platz 16 (von 136 Staaten). Zwischen 7 und 10 Milliarden Dollar gibt Israel im Jahr für das Militär aus, etwa 9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (Deutschland: 1,22 Prozent). Jährlich um die 4 Milliarden Dollar erhält das Regime an Militärhilfe aus den USA. Die Armee ist mit modernsten High-Tech-Waffen ausgerüstet, wie z. B. bewaffnete Drohnen, Tarnkappenbomber usw., und verfügt über 200 Atombomben.

 

Israel hat sich mit der Vertreibung der Palästinenser und im Zuge der Nahostkriege zahlreiche Gebiete einverleibt, um seine Machtbasis zu festigen und auszudehnen. Ohne Skrupel und ohne Kriegserklärung greift Israel Ziele in Nachbarstaaten an – wie zuletzt in Syrien –, wenn es den eigenen imperialistischen Interessen der Vorherrschaft im Nahen Osten und auch dem US-Imperialismus nützt. Dabei ist der Iran der erklärte Hauptfeind des Staates Israel, der seinen wirtschaftlichen und militärischen Einfluss über den Nordirak, Syrien und den Libanon ausdehnt, um z. B. mit Gas-Pipelines ans Mittelmeer zu gelangen. Gerade in diese Länder will auch Israel vordringen, u. a. auch, um an die dortigen Öl- und Gasvorkommen heranzukommen.

 

Deshalb strebt Israel auch im Mittelmeerraum die Vorherrschaft über die Öl- und besonders die neuen riesigen Gasvorkommen um Zypern und im Grenzgebiet zum Libanon an. Das verschärft die Konflikte u. a. zur Türkei und zu Russland. Griechenland, Zypern und Israel haben zusammen mit Italien eine Vereinbarung über den Bau einer neuen Pipeline nach Europa erzielt und ihre militärische Zusammenarbeit vertieft. Das verschärft Konflikte vor allem mit der Türkei. Ägypten soll sein Gasfeld Zohr an die Gaspipeline anschließen können. Dafür stärkt es Israel den Rücken bei der Besetzung der Golanhöhen, durch die Israel wiederum die Gasförderung vor dem Libanon kontrollieren will.