Rote Fahne 10/2018

Die Internationale ist ein Friedenslied

Stefan Engel am 1. Mai über Karl Marx

Die Internationale ist ein Friedenslied
Foto: RF

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

vor 200 Jahren wurde Karl Marx geboren, der sich später zum bedeutendsten Arbeitertheoretiker der Geschichte entwickelt hat. Karl Marx hat alle Dinge wissenschaftlich aufgearbeitet. Er hat den wissenschaftlichen Sozialismus begründet, der aber in der heutigen Gesellschaft nicht mehr als Wissenschaft anerkannt wird. Heute beherrscht der moderne Antikommunismus seine Betrachtung. Ich möchte trotzdem einiges in Erinnerung rufen, was von Karl Marx damals entwickelt wurde.

 

Er hatte ein differenziertes Verständnis von den Arbeitsplätzen. Ein Arbeitsplatz hat zwei Seiten. Die eine Seite ist, dass ein Arbeitsplatz für den Kapitalisten notwendig ist, um Arbeiter auszubeuten. Auf der anderen Seite braucht der Arbeiter diesen Arbeitsplatz. Er muss seine Arbeitskraft für Lohn verkaufen, um leben zu können.

 

Deshalb müssen wir – wenn wir um Arbeitsplätze kämpfen – das immer damit verbinden, die Ausbeutung der Lohnarbeit überhaupt zu bekämpfen usw. Deshalb hat Marx auch gesagt: „Nieder mit dem Lohnsystem!“ Er forderte eine so­zialistische Gesellschaft, damit die Arbeiter auch wirklich das bekommen, was sie erarbeiten. Heute erarbeitet ein Arbeiter in der Industrie in durchschnittlich acht Minuten das, was als Lohn herauskommt. Die restlichen 52 Minuten kassiert der Kapitalist ein. Das sind vor allem heute Monopole, die von dieser Ausbeutung der Arbeiterklasse leben.

 

Marx analysierte auch, dass die Kapitalisten immer danach drängen, Arbeitsplätze zu vernichten, um aus den vorhandenen Arbeitsplätzen mehr Profite rauszuziehen. Er sagt aber zugleich, dass das Krisengesetz des Kapitalismus darin besteht, die Arbeitsplätze abzubauen und durch Maschinen zu ersetzen. Er nannte das den tendenziellen Fall der Profitrate, der immer wieder zu Krisen und Krisenhaftigkeit führt. Wir haben heute eine Gesellschaft, die faktisch nur noch aus Krisen besteht. Wir haben eine internationale Umweltkrise, wir haben eine wachsende Kriegsgefahr, wir haben Verschuldungskrisen in fast allen Ländern der Welt. Wir haben Krisen der bürgerlichen Parteien usw.

 

Wenn man sich anschaut, was hier alles nicht funktioniert, dann gibt das Marx vollständig recht: dass dieser Kapitalismus einfach nicht funktionieren kann. Ein System, das nicht funktionieren kann, muss man aber in Frage stellen. Man muss die Frage aufwerfen, ob das nicht auch anders geht, ob das nicht auch ohne die Ausbeutung der Arbeitskraft geht.

 

Wir haben eine besondere Situation in dieser Zeit, dass die Zeichen wieder auf Kriegsvorbereitung stehen. … Wir müssen die Losung der internationalen Arbeiterbewegung wieder aufleben lassen, dass Arbeiter nicht gegen Arbeiter in den Krieg ziehen dürfen. Das ist die Friedensbotschaft, die man heute auch von Karl Marx ableiten kann. In diesem Zusammenhang ist auch die „Internationale“ entstanden. Das Lied, das bei uns am Schluss unserer Kundgebung gesungen wird. Es ist ein Friedenslied, es ist ein Lied, dass wir uns international nicht gegenseitig kaputt machen, in Konkurrenz oder im Krieg, sondern dass wir uns zusammenschließen: für eine neue, für eine sozialistische Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung kämpfen.

 

Glück Auf.