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Auseinandersetzung um die Strategie im Kampf um Weltmarktführung

Gestern berichteten zahlreiche Medien, dass Siemens-Chef Joe Kaeser die Konzernführung abgibt.

Korrespondenz aus Ingolstadt
Auseinandersetzung um die Strategie im Kampf um Weltmarktführung
Protest vor der Siemens-Hauptversammlung im Februar in München (rf-foto)

Vielfach ist die Rede von einem Machtkampf in der Konzernzentrale, der sich im Hintergrund abspiele.

 

Kaeser steht für eine radikale "Filetierung" des Siemenskonzerns. Die sogenannte Filetierung, das heißt Aufspaltung von Konzernen und Ausgliederung von Konzernteilen, verfolgt das Ziel, sich auf Bereiche zu konzentrieren, in denen die Weltmarktführerschaft verwirklicht werden kann. In "Götterdämmerung über der 'neuen Weltordnung'" schreibt Stefan Engel zu dieser Erscheinung: "Da es den wenigsten internationalen Monopolen gelang, in der gesamten Branche eine weltmarktbeherrschende Stellung einzunehmen, konzentrierten sie sich auf die Sparten, in denen sie eine solche Stellung schon erreicht hatten, oder zu erreichen hofften. Das bedeutet nicht selten, dass neue Konzerne entstanden, dass verschiedene Sparten aus alten Konzernen ausgegliedert wurden, oder sogar ganze Konzerne von der Bildfläche verschwanden, sich in neuen Zusammenschlüssen auflösten" (Seite 48).

 

Das Konzept von Kaeser wird durch die aktuelle Wirtschaftskrise infrage gestellt. Außerdem geriet er durch die umweltverbrecherischen Geschäfte mit Kohlekraftwerken - darunter dem Adani-Konzern -, Gasturbinen und Frackingunternehmen unter Beschuss. Überraschend sind Michael Sen, Vorstand der Sparte Siemens Energy, und sein Finanzchef Klaus Patzak zurückgetreten. Sie waren damit beauftragt, das Energiegeschäfts von Siemens herauszutrennen und an die Börse zu bringen. Kaeser wird den Vorsitz des Aufsichtsrats von Siemens Energy übernehmen. Hintergrund ist, dass Sen offensichtlich eine möglichst große Unabhängigkeit von Siemens erlangen wollte. Kaeser und Siemens-Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe sollen ein Modell wie in der Siemens-Medizintechniksparte bevorzugen, wo Siemens mit einem Anteil von 85 Prozent noch immer der beherrschende Mehrheitsaktionär ist.