Beirut

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Intensive Beratungen bei ICOR-Konferenz Naher und Mittlerer Osten

Vor wenigen Wochen fand in Beirut die 4. Naher-und-Mittlerer-Osten-Konferenz der revolutionären Weltorganisation ICOR¹ statt. Die Region steht nicht nur wegen des Kriegs des türkischen Regimes gegen Nordostsyrien im Fokus.

Von jw
Intensive Beratungen bei ICOR-Konferenz Naher und Mittlerer Osten
Ein Teil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ICOR-Konferenz Naher und Mittlerer Osten (rf-foto)

„Hier sind viele mehr oder weniger fortgeschrittene Befreiungskämpfe, die Region ist ein regelrechter Brennpunkt der zwischenimperialistischen Widersprüche und Aggressionen - und gleichzeitig ein Schmelztiegel bedeutender Kämpfe und Parteien mit regionaler, oder sogar weltpolitischer Ausstrahlung“, berichtet Monika Gärtner-Engel, die Hauptkoordinatorin der ICOR.

 

Besonders fortgeschritten, aber auch weltweit umstritten und attackiert sind sicher die Kämpfe des palästinensischen und des kurdischen Volkes. Vertreter beider revolutionärer Bewegungen nahmen an der Konferenz teil - was angesichts bestehender Meinungsverschiedenheiten und zuweilen aufgerissener historischer Gräben nicht selbstverständlich ist. Insgesamt waren Vertreterinnen und Vertreter von zwölf revolutionären oder marxistisch-leninistischen Organisationen nach Beirut gekommen. Sie waren nur zum Teil Mitglieder der revolutionären Weltorganisation ICOR. Sie kamen unter anderem aus Palästina, Marokko, Türkei, Kurdistan, dem Libanon, Tunesien, Deutschland. Außerdem war ein Gast der ILPS¹ vor Ort. Grußworte kamen aus Ägypten, Indien und aus dem Iran.

 

Ein Höhepunkt nach zwei Tagen intensiver Beratung war die Diskussion einer abschließenden gemeinsamen Resolution. Sie wird hier erstmals in Deutschland veröffentlicht:

Den vereinten Kampf und die Revolution im Mittleren Osten & Nordafrika voranbringen!

Resolution der Beiruter ICOR-Konferenz

Den vereinten Kampf und die Revolution im Mittleren Osten & Nordafrika voranbringen!

1. Seit Jahrzehnten sind der Mittlere Osten und Nordafrika Mittelpunkt imperialistischer Aggressionen aufgrund ihrer reichen Naturschätze und ihrer geopolitischen Bedeutung. Wir lehnen entschieden jede imperialistische Einmischung in der Region ab. Wir sind uns einig, dass wir Partei ergreifen nur für die Arbeiterklasse und die breiten Massen der Unterdrückten in ihrem Widerstand und Kampf für befreite Gesellschaften.

 

2. Es gibt bedeutende Bewegungen für nationale Befreiung und Revolution im Mittleren Osten und Nordafrika. Wir erkennen an und unterstützen die Bemühungen des kurdischen und des palästinensischen Volkes um gegenseitige Unterstützung in ihren Kämpfen. Ihre Kämpfe sind von strategischer Bedeutung für die Region und die Welt. Wir unterstützen die Forderung nach der Aufnahme einer multiethnischen, multireligiösen, autonomen Verwaltung in das Verfassungskomitee in Syrien.

 

3. Wir stehen dem palästinensischen Widerstand gegen die zionistische Besatzung zur Seite und bekräftigen unsere Unterstützung für die nationalen Rechte des palästinensischen Volkes und darüber hinaus für das Recht auf Rückkehr mit Hinweis auf Resolution 194.

 

4. Wir stehen dem kurdischen Kampf zur Seite gegen den faschistischen türkischen Staat und seine imperialistischen Verbündeten.

 

5. Der Kampf für einen befreiten Mittleren Osten und ein befreites Nordafrika ist nicht zu trennen von den Kämpfen in der ganzen Welt. Die Kämpfe und Streiks der Arbeiterbewegung von Peru bis Australien, bewaffnete Befreiungskämpfe in verschiedenen Teilen der Welt und die Kämpfe der Umweltaktivisten zählen zu den Kämpfen, die unsere Beteiligung und Solidarität brauchen. Ihr gemeinsamer Feind ist das imperialistische Weltsystem. Um diesen Feind zu besiegen, müssen wir uns über Grenzen hinweg organisieren.

 

6. Die Befreiung der Frau im Parteiaufbau, im Klassenkampf und für eine befreite Gesellschaft ist die Antwort auf die doppelte Ausbeutung und Unterdrückung der Masse der Frauen. Das wurde in den linken und kommunistischen Parteien unterschätzt, und es bleibt noch viel zu tun. Wir würdigen die wichtige Rolle, die Frauen spielen. Sie wurde sehr deutlich in verschiedenen Kämpfen in der Region, insbesondere unter den Revolutionären in Nord- und Ostsyrien sowie in Palästina. Frauen haben auch eine aktive, gleichberechtigte und führende Rolle in dieser Konferenz Seite an Seite mit den Genossen gespielt.

 

7. Wir müssen den Chauvinismus bekämpfen, das Gift, das die imperialistischen Kräfte und reaktionäre und kolonialistische Regime zur Spaltung der Arbeiterklasse und aller Unterdrückten einsetzen.

 

8. Die Bedrohung durch den Imperialismus und faschistische Regime drängt uns zur Vereinigung und zum Zusammenschluss mit allen Antiimperialisten und antifaschistischen Kräften in einer Einheitsfront. ILPS und ICOR haben wichtige Schritte zur Bildung einer solchen Einheitsfront unternommen und rufen alle antiimperialistischen und antifaschistischen Kräfte auf, sich ihr anzuschließen.

 

9. Sozialistische Gesellschaften sind das hell leuchtende Ziel der Bestrebungen marxistisch-leninistischer und revolutionärer Kräfte. Um dieses Ziel zu erreichen, ist der Aufbau gut organisierter und gut vorbereiteter revolutionärer und marxistisch-leninistischer Parteien von ausschlaggebender Bedeutung.

 

10. Die Konferenz wurde in einer produktiven Atmosphäre durchgeführt. Die Streitkultur basierte auf Achtung vor der Meinung und den Erfahrungen der anderen, auf Solidarität und auf Überwindung der Differenzen trotz der vielen noch zu lösenden Fragen.

 

11. Die Jugend spielte eine aktive Rolle in der Vorbereitung und erfolgreichen Durchführung der Konferenz.

 

12. Die teilnehmenden Parteien und Organisationen vereinbarten, die internationalistische Solidarität zu verstärken und weiterhin zusammenzuarbeiten, um die revolutionäre Arbeit mit Massenbewegungen und Revolutionen auszubauen.

 

13. Die Konferenz war sich einig, mehr Veranstaltungen dieser Art in Zukunft zu organisieren.


Bisher sind folgende Unterzeichner bekannt: CPI (ML) Red Star, LCP, MLKP, MLPD, Newroz Association, PCR Äypten, PPDS, TKP-ML.

 

Die Konferenz war ein wichtiger weiterer Schritt im Zusammenschluss der Revolutionäre und Marxisten-Leninisten weltweit im Kampf für Frieden, Freiheit und echten Sozialismus.