Wichtige Erfahrungen

Wichtige Erfahrungen

Gleich mehrere bedeutende "Events" der Bergarbeiterbewegung

Gestern Abend fand vor komplett ausverkauftem Haus in Stuttgart die nunmehr dritte Aufführung der Revue "Der große Bergarbeiterstreik 1997" statt.

Von gp / gis
Gleich mehrere bedeutende "Events" der Bergarbeiterbewegung
450 Besucherinnen und Besucher waren in das Alte Feuerwehrhaus gekommen (rf-foto)

Die Fackel weitertragen!

Der Rhein-Neckar-Raum ist industriell nicht gerade vom Bergbau geprägt. Trotzdem kamen gestern hunderte von Besucherinnen und Besuchern zur Revue "Der große Bergarbeiterstreik 1997". Wie das? Weil die Gäste aus Baden-Württemberg, Bayern und weiteren Regionen kulturvolle Leute sind, die über den Tellerrand schauen. Weil mit der Revue ein großartiges Stück Arbeiterkultur über die Bühne der alten Feuerwehrhalle in Heslach ging. Und vor allem, weil die Erfahrungen der Bergarbeiter und die Erfahrungen und Lehren aus dem großen Bergarbeiterstreik von 1997 von unschätzbarem Wert für die heutigen und künftigen Kämpfe der Arbeiter, für den Freiheitskampf des ganzen Industrieproletariats sind.

Ein großartiges Stück Arbeiterkultur

"Es war einfach überwältigend", so eine Korrespondentin, die dabei war. "Der große Bergarbeiterstreik von 1997 wurde in den Aussagen von Zeitzeugen, Filmausschnitten, Liedern und dem Kernstück des Ganzen, den Fragen von jungen Arbeitern und Arbeiterinnen, Studenten, REBELLEN und Rotfüchsen an Stefan Engel und seinen Antworten, lebendig, als sei es gestern gewesen. Man spürte auf Schritt und Tritt, wie die von bürgerlichen Politikern und Medien totgesagte Bergarbeiterbewegung lebt - in den Bergleuten, die heute in Deutschland und weltweit arbeiten und kämpfen, und in den ganzen unauslöschlichen Erfahrungen, die wie ein Schatz in die Arbeiter- und revolutionäre Bewegung eingehen. Dafür ist die Revue eine geniale Idee - mit absolut professioneller Umsetzung. Da war wirklich alles dabei. Überzeugende Argumente, z. B. wie produktiv die Steinkohlebergarbeiter bis zur Schließung der letzten Zeche gearbeitet haben. Tiefes Einfühlen, womit die Bergarbeiter fertig werden mussten - mit dem Ausblick auf heute, womit sie jetzt fertig werden müssen. Wie ihnen die MLPD dabei geholfen hat (und es auch heute tut). Wie ihre Kraft und Entschlossenheit unaufhaltsam war, wenn die Fragen geklärt waren. Sie beschlossen, dass ein Streik allein auf Hugo wenig Sinn macht - und dehnten ihn auf alle Ruhrgebiets- und Saarzechen aus. Sie blockierten Autobahnen, um eine Niederlage durch Streikbrecherkohle zu verhindern. Welche Schwächen der Streik auch noch hatte. Welche unmittelbaren Nachwirkungen er hatte, in Kämpfen anderer Belegschaften. Wie die Kohl-Regierung ins Wanken kam und welch unrühmliche Rolle Oskar Lafontaine spielte. Das alles begeisternd und kulturvoll umgesetzt durch Arbeiterinnen und Arbeiter, Jugendliche, den Jugendverband Rebell, die Rebell-Songruppe. Ich wusste bisher gar nicht, welche Vielfalt von Bergarbeiterliedern es gibt. Der Rebell hat ja auf dem Sommercamp, wo die jungen Genossinnen und Genossen die Revue einstudiert haben, noch ein eigenes, modernes Bergarbeiterlied geschrieben. Toll! Ein überwältigendes Gefühl der Klassensolidarität verbunden mit einer großen Klarheit, dass die Arbeiterklasse siegen wird, machten die einzigartige Atmosphäre aus."

Konzern stellt den Arbeitern ungedeckte Schecks aus

Spannen wir den Bogen vom großen Bergarbeiterstreik im Ruhrgebiet und im Saarland 1997 zu den Bergarbeitern in Cumberland in den USA heute1. 1700 Arbeiter und Angestellte drohen ihren Job zu verlieren, weil Blackjewel LLC Insolvenz angemeldet hat. Die Ankündigung kam für die Bergleute unvermittelt. Sie standen am 2. Juli plötzlich vor verschlossenen Werkstoren. Besonders hart hat es die Mehrheit der 1.100 Bergleute in den Appalachen (Kentucky) getroffen, denen der Konzern keine Löhne mehr zahlte bzw. ungedeckte Schecks ausstellte. Insgesamt schuldet das Unternehmen den Beschäftigten 11,8 Millionen US-Dollar an Löhnen und Steuern sowie 1,2 Millionen US-Dollar Zahlungen an die Rentenkasse. In Harlan County haben 300 Bergleute für  Blackjewel LLC gearbeitet. Die Bergleute in Harlan County können auf eine lange Geschichte von zum Teil mit äußerster Härte geführten Arbeiterkämpfen zurückblicken2.

Bergarbeiter geben nicht klein bei

Ein Bergarbeiter aus Cumberland  berichtet: „Ich habe jeden Tag zehn bis zwölf Stunden in der Hitze, Enge und Lärm im Stollen gearbeitet. Es gab Wochen, wo es dunkel war, als ich einfuhr und dunkel, als ich ausfuhr. Der Konzern schuldet mir vier Wochen Lohn für harte Knochenarbeit. Das sind gut 6.000 Dollar. Früher habe ich 1.200 bis 1.400 Dollar in der Woche verdient. Wir haben noch eine kleine Tochter. Jetzt bekomme ich 500 Dollar Arbeitslosengeld die Woche. Das ist hart für meine Familie. Davon muss ich den Kredit für das Haus und Raten für zwei Autos bezahlen, auf die man in der ländlichen Region angewiesen ist. Da bleibt nicht viel Geld für den Rest.“ Bergleute verdienen in den USA gut, fast das Dreifache des Durchschnittseinkommens eines US-Arbeiters. Außerhalb des Bergbaus gibt es in der Region so gut wie keine Industrie, keine neuen Arbeitsplätze.

 

Die Bergarbeiter in Cumberland wollen nicht klein beigeben. Als Ende Juli ein Zug mit 75 voll beladenen Waggons das Werk in Cumberland verlassen wollte, blockierten die Kumpel die Schienen. Die Kohle auf den Waggons ist mehrere Millionen US-Dollar wert. Die Kumpel stellten sich auf die Gleise, bauten neben den Schienen ein Zeltlager auf. Manche kommen von Zeit zu Zeit, andere schlafen in Zelten, um nicht überrascht zu werden. Der Zug ist Faustpfand für die ausstehenden Löhne. „No pay, we stay!“ steht auf einem Schild – wenn ihr nicht zahlt, bleiben wir hier.

 

Die Bergleute sind nicht gewerkschaftlich organisiert, weil sich die Gewerkschaft seit Jahren zurückgezogen hat. Eine Folge des Niedergangs der Kohleindustrie und des damit verbundenen massiven Arbeitsplatzabbau.s Das schwächt die kämpfenden Bergleute; diese Schwäche gilt es zu überwinden. Die Bergleute erfahren große Solidarität. Ausgeschiedene Bergleute unterstützen die kämpfenden Bergleute, die Bewohner bringen ihnen Essen, Kleidung, Getränke. Der Bürgermeister weigerte sich der Aufforderung von  Blackjewel LLC nachzukommen, die Gleise durch die Polizei räumen zu lassen – schließlich war sein Sohn auch bei  Blackjewel LLC beschäftigt.

Trump konnte zum Teil punkten

Die Insolvenz von Blackjewel LLC ist kein Einzelfall. Allein seit Mai 2019 haben drei Kohleunternehmen Insolvenz angemeldet. Die großartigen Versprechen von US-Präsident Donald Trump in seinem Wahlkampf den Stahl- und Bergarbeitern ihre Arbeitsplätze wieder zurückzubringen, zerplatzen wie Luftballons. Die Lockerung der Umweltauflagen hat zunächst wenige Tausende Arbeitsplätze geschaffen. Trump heftete die Öffnung einer Zeche an seine Brust. Dort gibt es allerdings nur 100 Arbeitsplätze und die Öffnung der Zeche war schon vor Trumps Regierungsantritt beschlossen. Trump spielte im Wahlkampf den Vertreter der Arbeiter gegen das verhasste "politische Establishment". Er versprach, die Arbeitsplätze wieder zurückzubringen. Er hat damit unter den Bergarbeitern und ihren Familien Zustimmung gewinnen können. Die lag zum Teil bei 80 Prozent bei der Wahl. Trump setzte dabei auf die große Unzufriedenheit der Menschen in den Bergbauregionen.

Europakoordination der Internationalen Bergarbeiterkoordination wird gegründet

Die Bergleute in den USA müssen mit der sozialen Demagogie von Trump und anderen Vertretern der Herrschenden fertig werden. Das unterstreicht die Bedeutung und Notwendigkeit auch in den USA eine starke marxistisch-leninistische Partei aufzubauen. Die kämpfenden Bergleute in Harlan County brauchen jetzt die internationale Solidarität.

 

Die zu organisieren und die Kämpfe der Bergleute zu koordinieren, ist Aufgabe der Internationalen Bergarbeiterkoordination (IMC), die 2013 in Peru gegründet worden ist. Ende November wird in Polen auf einer Europakonferenz die Europakoordination der IMC gegründet. Das ist der Auftakt zur Gründung weiterer regionaler und kontinentaler Bergarbeiter-Koordination.

Fünfte Bergarbeiterdemonstration im Ruhrgebeit und Generalstreik der Bergarbeiter in Peru

Die soziale Demagogie Trumps gleicht der der AfD. Ihr Versprechen, das Anliegen der 200 durch die RAG  gekündigten Bergleute bei der EU-Kommission in Brüssel und im Düsseldorfer Landtag zum Thema zu machen und den Bergleuten dadurch zu helfen, hat sich als Lüge entpuppt. Es hatte nur ein Motiv: Die Bergleute vom Kampf gegen die RAG abzuhalten und einen Keil zwischen sie und die MLPD zu treiben, die als einzige Partei fest und mit Know-how an ihrer Seite steht.

 

Diese Erfahrung ist für alle Arbeiter wichtig. Der Aufruf der Bergarbeiterbewegung „Kumpel für AUF“ zu einer Demonstration am 14.9. in Essen wird von vielen unterstützt. Auch Arbeiterinnen und Arbeiter aus anderen Branchen haben ihre Teilnahme zugesagt. „Kumpel für AUF“ hat auch mit einem Brief die FFF-Bewegung in NRW zur Teilnahme eingeladen; die Bergarbeiter werden ihrerseits am Kampftag am 20. September teilnehmen: Wir brauchen Arbeit und Umweltschutz, das darf nicht gegeneinander ausgespielt werden. Am 14. und am 20. September wird sicher auch Gelegenheit sein, nicht nur den Bergleuten in den USA , sondern auch dem Generalstreik der Bergarbeiter in Peru, der zur Zeit vorbereitet wird, solidarische Grüße zu schicken.