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Als Automobilarbeiter zur Bergarbeiterstreik-Veranstaltung?

Um 22.15 Uhr vor Daimler in Stuttgart-Untertürkheim: Wir, zwei Verkäufer des "Rote Fahne Magazins", laden die Kolleginnen und Kollegen der Nacht- und Spätschicht zur Veranstaltung „Der große Bergarbeiterstreik“ ein, die am 7. September im Alten Feuerwehrhaus in Stuttgart-Hesslach zu sehen sein wird.

Korrespondenz aus Stuttgart

Auf unsere Frage an die Daimler-Kollegen vorm Tor „Gibt es nicht auch für Euch Gründe zu streiken“, nicken die meisten oder sagen: „Und ob, viele.“ Denn für die meisten ist klar, dass Daimler die Umstellung auf den Elektroantrieb und die Verkaufsrückgänge auf die Belegschaft mit massenhaftem Personalabbau abwälzen will.

 

Manche Kollegen wollten aber zunächst mal den Veranstaltungsflyer nicht mitnehmen: „Ich bin Automobil- und nicht Bergarbeiter!“ Wenn wir sie aber informierten, dass 1997 rund 130.000 Bergarbeiter streikten und nach Bonn zur damaligen Bundesregierung fuhren, stieg das Interesse dieser Kollegen.

Auch Automobilarbeiter müssen mit der Illusion einer "Beschäftigungssicherung" fertigwerden

Wir: „Der Bergarbeiterstreik kam nicht über Nacht. Er hatte eine lange Vorgeschichte, wichtig war die Überzeugungs- und Kleinarbeit der MLPD. Denn wie hier bei Daimler musste geklärt werden, warum wir mit einem Streik Einfluss auf Entscheidungen von oben nehmen können. Auch wirkte die Propaganda von der RAG¹ und der ICBE-Gewerkschaftsführung, dass 'niemand ins Bergfreie fällt'.

 

Hier ist das die 'Beschäftigungssicherung bis 2029', weshalb sich angeblich niemand Sorge machen muss, entlassen zu werden. Hinzu kommt die Stimmungsmache der bürgerlichen Medien, dass die Bergleute – oder jetzt auch die Automobilarbeiter – keine Zukunft mehr hätten.“

Veranstaltung hervorragend geeignet

Die vielen, kurzen Gespräche bestätigten, dass die Veranstaltung hervorragend geeignet ist, um die Arbeiterinnen und Arbeiter auf härtere Auseinandersetzungen und Kämpfe einzustellen. Und dass und wie die MLPD darauf hinarbeitet, dass die Gewerkschaften durch die Aktivität der Kolleginnen und Kollegen zu Kampforganisationen werden und der gewerkschaftliche Rahmen gegebenenfalls mit selbstständigen Aktionen durchbrochen wird.

 

In diesen Kämpfen lernen die Arbeiterinnen und Arbeiter am schnellsten, entwickelt sich das Klassenbewusstsein und der Gedanke, dass es eine revolutionären Veränderung braucht. Jetzt gilt es, die begonnene Auseinandersetzung durch den Verkauf von Eintrittskarten weiter verbindlich zu organisieren.