Gedenkfeier

Gedenkfeier

Materialien und Informationen zu Ernst Thälmann

Für die Auseinandersetzung um das Verbot der Gedenkkundgebung am 17. August zum 75. Todestag von Ernst Thälmann hier einige Informationen bzw. Materialien zu seinem Leben und Wirken:

Von MLPD-Zentralkomitee

Kurze Information zum Lebenslauf von Ernst Thälmann

Ernst Thälmann wurde am 16. April 1886 in Hamburg-Altona geboren. Eine schwere Kindheit, der I. Weltkrieg und die Jahre vor und nach der deutschen Novemberrevolution von 1918 prägten seine politische Entwicklung. Er war Transportarbeiter.


Ende 1918 trat er in die USPD (Unabhängige Sozialdemokraten, eine bedeutende linke Abspaltung von der SPD während der Novemberrevolution 1918 in Deutschland) ein und wurde ein Führer der revolutionären Arbeiterbewegung in Hamburg. Die Arbeiter und Genossen nannten ihn liebevoll „Teddy“. Unter seinem Einfluss trat 1920 fast die gesamte Hamburger USPD zur KPD über.


Er war der führende Kopf des Hamburger Aufstands von 1923. Damals waren die Arbeiter nicht mehr bereit, die unerträgliche Lage hinzunehmen. Doch mitten im heroischen Kampf der Arbeiterklasse Hamburgs erteilte die Parteileitung den Befehl zur Einstellung des Kampfes. „Der Verzicht auf den allgemeinen Aufstand im Jahr 1923 ist auf das vollständige Versagen des aus rechten Elementen zusammengesetzten Zentralkomitees der kommunistischen Partei zurückzuführen.“1


1925 wurde Ernst Thälmann zum Vorsitzenden der KPD gewählt. Unter seiner Führung entwickelte sich die KPD mit 300.000 Mitglieder zur stärksten kommunistischen Partei in Westeuropa.


In seinen Reden und Schriften warnte Ernst Thälmann rechtzeitig und weitsichtig vor dem Hitlerfaschismus und einem bevorstehenden II. Weltkrieg. Er war ein entschiedener Verfechter der Einheitsfront der Arbeiterklasse.


Ernst Thälmann war Reichstagsabgeordneter der KPD. Er wurde im März 1933 verhaftet. Mehr als elf Jahre wurde er in Einzelhaft hinter faschistischen Kerkermauern eingesperrt. Die Faschisten trauten sich nicht, ihm öffentlich einen Prozess zu machen. Trotz Misshandlungen und langer Kerkerhaft blieb er ungebrochen. Sein weitsichtiges Urteilsvermögen bewies er nach dem Überfall auf die Sowjetunion mit dem berühmt gewordenen Satz „Stalin bricht Hitler das Genick“. Ihre Niederlage vor Augen erschossen ihn die Nazi-Schergen am 18. August 1944 auf direkten Befehl von Hitler.


Die Nazi-Propaganda behauptete, er sei durch einen alliierten Bombenangriff ums Leben gekommen. Die Faschisten fürchteten ihn also noch über seinen Tod hinaus.

 

Nach seiner Verhaftung 1933 verbreitete sich rund um den Erdball das

„Thälmann-Lied“

Der Text ist von Erich Weinert, die Musik von Paul Arma. Hier die 3 ersten Strophen: („Songs der Revolution, Seite 86)

 

1. Ernst Thälmann, der ging uns voran
die Faust geballt zum Schlagen.
Kolonnen wuchsen Mann an Mann,
den Kampf voranzutragen.
Er ging voran, wo die Fahne braust
Für den Kameraden Thälmann: Hoch die Faust!

 

2. Er fiel den Schindern in die Hand,
die kaufen falsche Zeugen.
Er hält der Qual und Folter stand,
die konnten ihn nicht beugen
trotz Mord und Tod, der im Kerker haust.
Für den Kameraden Thälmann: Hoch die Faust!

 

3. Es schallt Alarm: Das Mordgericht
will ihm den Kopf abschlagen.
Doch wenn die Welt zum Sturm aufbricht,
dann werden sie‘s nicht wagen.
Reißt weg das Beil, das schon niedersaust!
Für den Kameraden Thälmann: Hoch die Faust!

Der Schwur von Buchenwald

Als die militärische Niederlage der Hitler-Diktatur absehbar war, diskutieren die Häftlinge, welche Konsequenzen sie nach dem Krieg ziehen müssen und dass eine künftige Spaltung gegen Faschismus und Krieg verhindert werden muss. Das Ergebnis ihrer Diskussion brachten die Überlebenden nach der Selbstbefreiung des Lagers beim Appell zum Totengedenken am 19. April 45 in ihrem Schwur von Buchenwald zum Ausdruck.


Kameraden!
Wir Buchenwalder Antifaschisten sind heute angetreten zu Ehren der in Buchenwald und seinen Außenkommandos von der Nazi-Bestie und ihren Helfershelfern ermordeten 51 000 Gefangenen!


51.000 erschossen, gehenkt, zertrampelt, erschlagen, erstickt, ersäuft, verhungert, vergiftet, abgespritzt.
51.000 Väter-Brüder-Söhne starben einen qualvollen Tod, weil sie Kämpfer gegen das faschistische Mordregime waren.
51.000 Mütter und Frauen und Hunderttausende Kinder klagen an!


Wir lebend Gebliebenen, wir Zeugen der nazistischen Bestialität, sahen in ohnmächtiger Wut unsere Kameraden fallen.
Wenn uns eins am Leben hielt, dann war es der Gedanke: Es kommt der Tag der Rache!
Heute sind wir frei!


Wir danken den verbündeten Armeen der Amerikaner, Engländer, Sowjets und allen Freiheitsarmeen, die uns und der gesamten Welt den Frieden und das Leben erkämpfen.


Wir gedenken an dieser Stelle des großen Freundes der Antifaschisten aller Länder, eines Organisatoren und Initiatoren des Kampfes um eine neue, demokratische, friedliche Welt, F. D. Roosevelt. Ehre seinem Andenken!


Wir Buchenwalder, Russen, Franzosen, Polen, Tschechen, Slowaken und Deutsche, Spanier, Italiener und Österreicher, Belgier und Holländer, Engländer, Luxemburger, Rumänen, Jugoslawen und Ungarn, kämpften gemeinsam gegen die SS, gegen die nazistischen Verbrecher, für unsere eigene Befreiung.
Uns beseelte eine Idee: Unsere Sache ist gerecht – Der Sieg muss unser sein!

 

Wir führten in vielen Sprachen den gleichen harten, erbarmungslosen, opferreichen Kampf, und dieser Kampf ist noch nicht zu Ende. Noch wehen Hitlerfahnen! Noch leben die Mörder unserer Kameraden! Noch laufen unsere sadistischen Peiniger frei herum!


Wir schwören deshalb vor aller Welt auf diesem Appellplatz, an dieser Stätte des faschistischen Grauens:
Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht!
Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.

 

Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig. Zum Zeichen Eurer Bereitschaft für diesen Kampf erhebt die Hand zum Schwur und sprecht mir nach:
"WIR SCHWÖREN!"

Lied: Unsterbliche Opfer

(Noten sind im Internet zu finden)

 

Unsterbliche Opfer ihr sanket dahin
wir stehen und weinen voll Schmerz Herz und Sinn
Ihr kämpftet und starbet für kommendes Recht
wir aber wir trauern der Zukunft Geschlecht
Einst aber wenn Freiheit den Menschen erstand
und all euer Sehnen Erfüllung fand
Dann werden wir künden wie ihr einst gelebt
zum Höchsten der Menschheit empor nur gestrebt.

 

Text: W. G. Archangelski (1905)
deutscher Text: Hermann Scherchen (nach 1917)
Musik: vermutl. N.N. Ikonnikow

Gedicht von Bert Brecht: An die Kämpfer in den Konzentrationslagern, 1933

Kaum Erreichbare ihr,
In den Lagern begraben,
Abgeschnitten von jedem menschlichen Wort.
Ausgeliefert den Mißhandlungen.
Niedergeknüppelte - aber Nicht Widerlegte,
Verschwundene - aber
Nicht Vergessene.

Hören wir wenig von Euch, so hören wir doch:
Ihr seid unverbesserbar,
Unbelehrbar der proletarischen Sache ergeben,
Unabbringbar davon: Daß es in Deutschland
Immer noch zweierlei Menschen gibt:
Ausbeuter und Ausgebeutete,
Und daß nur der Klassenkampf
Die Menschenmassen der Städte und des
Lands aus ihrem Elend befreien kann.

 

Nicht durch Stockschläge noch durch Aufhängen
Hören wir, seid ihr
Abzubringen von unsrer guten Sache.

Also seid ihr
Verschwunden - aber
Nicht vergessen,
Niedergeknüppelt - aber
Nicht widerlegt,
Zusammen mit allen unaufhaltsam Weiterkämpfenden,
Weiterhin die wahren Führer Deutschlands.‎