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"Weltunkulturerbe"

"Kleiner Ausflug in die Welt der Kultur" - mit diesem Satz lädt die Zeitung von Kollegen für Kollegen in den deutschen VW-, Audi-, Porsche und MAN-Werken "Der Vorwärtsgang" auf ironische Weise ein.

Aus der Kollegenzeitung "Vorwärtsgang¹"
"Weltunkulturerbe"
Das Kunstmuseum Wolfsburg (foto: Kintaiyo (CC BY-SA 3.0))

Kleiner Ausflug in die Welt der Kultur. Und der Volkswagen-Unternehmenskultur. Aber nicht der Diskussionskultur. So etwas gibt es hier nämlich nicht. Das Kunstmuseum Wolfsburg zählte bisher in Deutschland zu den wichtigsten Häusern für zeitgenössische Kunst. Bisher.

 

Im Dezember wurde überraschend der Direktor vorzeitig entlassen. Bei den Gründen hierzu wird es interessant. Es gab keine offizielle Erklärung des Trägers. Der einzige Träger ist die Kunststiftung Volkswagen, und somit ist das Museum abhängig von deren Zuwendung. Der vor drei Jahren engagierte Direktor nutzte seine vermeintliche künstlerische Freiheit unter anderem für eine Ausstellung "Wolfsburg Unlimited" über die kulturhistorische Geschichte der Stadt von der Gründung in der NS-Zeit bis zur Gegenwart inklusive Dieselgate ...

 

Der Vorsitzende im Kuratorium der Stiftung ist gleichzeitig der Vorsitzende des Aufsichtsrates von Volkswagen, Hans Dieter Pötsch, welcher - nur nebenbei bemerkt - aktuell in dieser Funktion seine eigenen Beteiligung als damaliger Finanzchef in Dieselgate "aufklären" soll.

 

Derweil plante das Museum für dieses Jahr eine Ausstellung namens "Oil. Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters" ... Nun legte Pötsch dem Direktor einen Aufhebungsvertrag vor. Er sollte auf die Autorenschaft der Ausstellungskonzepte für seine geplanten Projekte verzichten.

 

Als der sich weigerte, leitete Pötsch die Kündigung mit sofortiger Freistellung ein. Seitdem gab es seitens des Konzerns keine Stellungnahme über diese Entscheidung. Die Gutsherrenmentalität regelt hier lieber alles hinter verschlossenen Türen ...