Bildungspolitik

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Exzellente Universitäten - Exzellentes Sommercamp!

Zehn Universitäten und ein Hochschulverbund tragen seit gestern offiziell den Titel Exzellenzuniverisität. Sie bekommen eine Millionenförderung. Im Wettbewerb erfolgreich waren die beiden Münchener Universitäten und der Verbund der drei großen Berliner Unis. Den Titel bekommen außerdem die Unis in Hamburg, Aachen, Bonn, Dresden, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz und Tübingen.

Von gos
Exzellente Universitäten - Exzellentes Sommercamp!
Die Ludwig-Maximilian-Universität in München gehört zu den Exzellenz-Unis

Der Titel "Exzellenzuniversität" ist mit millionenschwerer staatlicher Förderung verbunden. Außerdem haben die exzellenten Hochschulen auch bei der Drittmittelakquise die besseren Karten. Die herausgehobene Förderung beginnt am 1. November 2019 und läuft mindestens sieben Jahre. Die ausgewählten Hochschulen und Verbünde bekommen Fördergelder von jeweils 10 bis 28 Millionen Euro im Jahr. Drei Viertel davon kommen vom Bund, ein Viertel jeweils vom Bundesland, in dem die Hochschulen ihren Sitz haben.

 

Mit dem Wettbewerb soll die Spitzenforschung in Deutschland gefördert werden. Tatsächlich können die ausgezeichneten Hochschulen mit der besonderen finanziellen Förderung ihre Ausstattung erheblich verbessern, internationale Wissenschaftler akquirieren und in fachübergreifenden Projekten wichtige wissenschaftliche Ergebnisse erzielen. Um sich als Exzellenzuni bewerben zu können, mussten die Hochschulen mindestens zwei "Exzellenzcluster" vorweisen können.

 

Gegen einen Wettbewerb von Forschung und Lehre auf hohem Niveau ist erstmal nichts einzuwenden. Vorbild der Exzellenzunis war das "Institute for Advanced Studies" in Princeton/USA. Aus diesem sind über 6.000 herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, darunter 38 Nobelpreisträger,  hervorgegangen. In wichtigen zu lösenden Fragen in Wissenschaft und Forschung Kräfte zu bündeln und Spitzenforschung zu fördern, ist vernünftig. Zum Beispiel auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien und in der medizinischen Forschung ist das dringend geboten.

 

Unter den heutigen kapitalistischen Bedingungen werden jedoch Forschung und Lehre immer unmittelbarer an den Interessen der Monopole ausgerichtet. Herausragende Leistungen bei der Ausbildung der Masse der Studierenden spielen im Exzellenz-Wettbewerb so gut wie keine Rolle. Und mit der zusätzlichen Förderung wird zunächst einmal nicht in die Verbesserung der Studiensituation investiert. Die immer rigoroser auf die imperialistischen Interessen ausgerichtete Bildungspolitik ist ein objektiver Hintergrund für  weltweite Bildungsproteste, die heute zu einem Bestandteil der Rebellion der Jugend geworden sind.

 

Studenten kritisieren die Exzellenzstrategie: "Einige Universitäten freuen sich über die zusätzlichen Mittel und den Titel, viele werden leer ausgehen", warnten die Studentenvertretungen aus Freiburg, Heidelberg und Tübingen. In einem Gespräch mit Rote Fahne News klagte Isabel Schön, Sprecherin von Studierenden-Vertretungen aus zehn Unis, die sich an diesem Wettbewerb beteiligten, an: "Staatliche Hochschulen sind unterfinanziert. Alle staatlichen Hochschulen! Unterfinanzierung bedeutet, dass die Breite der Lehrveranstaltungen nur unter größeren Anstrengungen gestemmt werden können. Einige wenige 'exzellente' Universitäten bekommen nun massive finanzielle Unterstützung, während der Rest mit enormen finanziellen Problemen kämpfen muss."1

 

Aber von diesen zusätzlichen Finanzen bekommen die allermeisten Studierenden überhaupt nichts zu spüren, so Isabel Schön, im Gegenteil: "Es wurden enorme Kapazitäten aller teilnehmenden Universitäten in diesem Wettbewerb und in den Bewerbungen gebunden. Diese Kapazitäten standen für andere Projekte über einen langen Zeitraum nicht zur Verfügung."1 Und sie ergänzte: "Höchstens ein Siebtel der Cluster-Projekte, die die Unis in dem Wettbewerb präsentierten, war im geisteswissenschaftlichen Bereich angesiedelt. Alle anderen waren Forschungs-Projekte, die unmittelbaren ökonomischen Nutzen für entsprechende Firmen erbringen." Mit den Steuergeldern für die Exzellenz-Universitäten spielt der Staat auch auf diesem Gebiet exzellent seine Rolle als Dienstleister der Monopole. Über die weitere Arbeit der Studierenden-Vertretungen betonte Isabel Schön: "Die Sache mit der 'Exzellenz' ist jetzt gegessen. Aber wir kämpfen weiter erst recht für die bessere finanzielle Ausstattung aller Hochschulen!"1

 

Die MLPD fordert in ihrem Programm:

  • "Kampf der Knebelung von Wissenschaft, Forschung und Kultur durch die Profitinteressen der Monopole!
  • Förderung von Forschung und Bildung zu den wirklichen Zukunftsfragen der Menschheit wie umweltschonenden Technologien!"

 

Sozialistische Länder wie die Sowjetunion oder China - als sie noch sozialistisch waren - haben eine Exzellenzstrategie im Interesse der Arbeiterklasse und der breiten Massen durchgeführt. Es wurden die begabtesten und besten Kräfte an neu gegründeten Instituten zusammengeführt, die auf vielen Gebieten von Wissenschaft und Forschung weltweit eine führende Rolle einnahmen. Zugleich wurde aber in enger Verbindung damit auch eine breite Popularisierung der Ergebnisse betrieben, um das gesamte Ausbildungsniveau, vor allem der Jugend, im Lande zu heben.

 

Ein exzellentes Jugendprojekt ist heute an den Start gegangen: Das Sommercamp von Rebellen und Rotfüchsen. Exzellent nicht nur, weil es selbst organisiert und finanziert ist, sondern weil es in den Mittelpunkt stellt: Wie kann die heutige Jugend erfolgreich für ihre Zukunft kämpfen? Dabei lernt das Camp von den großen Kämpfen der Bergarbeiter 1997. Wie 130.000 Kumpel damals die Regierung Kohl verjagten – und vieles mehr: Das steht im Mittelpunkt einer Revue, die Kinder und Jugendliche einstudieren und in 14 Tagen in Dorndorf/Thüringen bei den Kumpel von Kali und Salz und vor vielen Gästen aus Nah und Fern aufführen.

 

Für Kurzentschlossene: Es sind noch Last-Minute-Plätze auf dem Camp frei!

 

Alle Infos zum Sommercamp