Mannheim

Mannheim

Dramatische Trockenschäden im "Käfertaler Wald"

Schon Ende des vergangenen Sommers fielen dem aufmerksamen Spaziergänger im Käfertaler Wald (Mischwald) einzelne oder in Gruppen stehende Laubbäume auf, die am Vertrocknen waren. Im Dezember - ohne das Laub der Laubbäume - erschrak man über die zahlreichen vertrockneten Spitzen der alten, großen Kiefern hier.

Naturfreund aus Mannheim

Nun hat eine Waldführung mit einer Forstmitarbeiterin die schlimmsten Befürchtungen bestätigt!

 

Aufgrund sich früher zahlreich ändernder Rheinverläufe liegt hier vor allem bis zu fünf Meter tiefer Sandboden. Das bedeutet: hohe Wasserdurchlässigkeit in dieser Schicht und schlechte Nährstoffversorgung. Bäume, deren Wurzeln kürzer als fünf Meter sind, sind stark von Trockenheit betroffen. Zur Zeit leiden 50 Prozent aller Kiefern unter so starken Trockenschäden, dass sie gefällt werden müssten. Außerdem schwächt überstarker Mistelbefall die Bäume; dazu kommt ein Pilz, der 60 Prozent der Kiefern befallen hat, der sich unter der Rinde ansiedelt, wo die Wasserversorgung der Kiefern verläuft, und vielen den Rest gibt.

Steigende Temperaturen, sinkende Niederschlagsmenge

Die Temperaturen während der Vegetationszeit stiegen von durchschnittlich 16,7 Grad 1961 auf 18,3 Grad heute, gleichzeitig sank die Niederschlagsmenge erheblich.

 

Der Käfertaler Wald ist nicht nur Naherholungsgebiet, sondern auch größter Trinkwasserspeicher für den Mannheimer Norden (noch!) und hat eine gewaltige Bedeutung für das im Sommer jetzt schon überhitzte Klima in der Stadt. Die von der Forstmitarbeiterin prognostizierten Veränderungen gefährden beide Funktionen in relativ kurzer Zeit, d. h. in wenigen Jahren.

Interesse an kompetentem Umweltbuch

Als Sofortmaßnahme wären dringend Aufforstungen notwendig. Das Problem dabei: Wenn schon die alten Bäume nicht mehr an genügend Wasser kommen, schaffen es die jungen schon gar nicht. Außerdem muss man sich bewusst machen, dass zur Erfüllung der Klimafunktion eines großen, alten Baumes ca. 200 Jungbäume angepflanzt werden müssten!

 

Am Ende der immer wieder aufbrandenden Diskussion der knapp 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Waldführung empfahlen wir das Buch "Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?" von Stefan Engel. Zwei Teilnehmer schrieben sich den Titel auf, um sich das Buch eventuell zu besorgen, als sie hörten, dass es leider noch nicht in der Stadtbücherei steht.