16. Horster-Mitte-Fest

16. Horster-Mitte-Fest

Buntes Programm, Jubel über eine Überraschung, gemeinsam gegen RAG und sexistische Unterdrückung

Das Wetter passte heute Mittag zum Auftakt des 16. Sommerfests an der „Horster Mitte“ in Gelsenkirchen. Schon von weitem luden Düfte der kulinarischen Köstlichkeiten und eingängige Rhythmen der Musik die Gäste zum Verweilen.

Von as / ms
Buntes Programm, Jubel über eine Überraschung, gemeinsam gegen RAG und sexistische Unterdrückung
Ezidischer Kinderchor "Kinder der Sonne" (Foto: RF)

Hier gibt es jetzt auch einen Bildreport zum 16. Horster-Mitte-Fest

 

Auf gute Nachbarschaft konnte Gabi Fechtner als Vorsitzende des Vermögensverwaltungsvereins schon bei der Eröffnung zahlreiche Besucherinnen und Besucher sowie „alte“ und neue Mitveranstalter begrüßen.

Ein Knüller zum Auftakt

Dann die Überraschung! Fragende Blicke, als sie einen dicken Aktenordner in die Höhe hielt. Riesenbeifall, als sie das Geheimnis lüftete: „Dieser Ordner ist die Baugenehmigung für den Kultursaal Horster Mitte! Wir haben sie gestern um 8.45 Uhr erhalten.“

 

In einer mehr als ein Jahr dauernden Auseinandersetzung gegen immer neue Schikanen der Baubehörde konnte jetzt die Baugenehmigung erreicht werden. Sie ermöglicht, dass nun wieder Familienfeiern, Hochzeiten, Veranstaltungen, kulturelle Highlights und vieles mehr dort stattfinden können.

Schon bei der Eröffnung gut besucht - das diesjährige Horster-Mitte-Fest (Foto: RF)
Schon bei der Eröffnung gut besucht - das diesjährige Horster-Mitte-Fest (Foto: RF)

In Kürze:

  • Überraschung zum Auftakt: Gabi Fechtner gab bekannt, dass endlich die umkämpfte Baugenehmigung erteilt worden ist
  • Einladung zur kulinarischen Weltreise
  • Vielseitiges, buntes Programm und spannende Gesprächsrunden
  • Ausklang mit Live-Musik und Tanz

Mit dem Dank an alle Unterstützerinnen und Unterstützer sowie für über 30.000 Euro Spenden zum Kampf um den Kultursaal verband Gabi Fechtner den Aufruf zu weiteren Spenden: allein für die Baugenehmigung waren 8.560 Euro aufzubringen, mehrere 100.000 Euro wird der sofort beginnende Umbau kosten.

Neueröffnung einer "Tankstelle"

Dem Paukenschlag zum Festauftakt folgte die Eröffnung der neuen öffentlichen Strom-Tankstelle an der Horster Mitte. Bei der Premieren-Ladung eines Elektroautos erläuterte Klaus Dumberger, Parteigeschäftsführer der MLPD, dass dies erst die zweite Ladestation im Stadtteil sei, mit starken 22 Kilowatt eine Schnelladung erlaubt und von der hauseigenen Fotovoltaikanlage und dem Blockheizkraftwerk versorgt wird.

Protest nach dem Zumba-Training

Nach einem Zumba-Kurztraining vor der Bühne berichtete DJ Kaveh für den neugegründeten „Freundeskreis Seda“ über den kürzlichen Mordanschlag eines Stalkers auf die Zumba-Trainerin des SV Horst-Emscher. Den Protest gegen den unterbliebenen Schutz ihrer Freundin Seda durch Staatsanwaltschaft und Polizei verband er mit der eindringlichen Aufforderung, gegen jede Gewalt gegen Frauen aktiv zu werden.

 

Begonnen wurde gleich mit einer Spendensammlung zur Unterstützung von Seda und ihrer Familie. Eine Kollegin vom Freundeskreis regte eine regelmäßige Gesprächsrunde für die gesellschaftliche Auseinandersetzung über diese Problematik an.

Kulinarische Weltreise

Kulinarisch bot das Fest eine kleine Weltreise: von Thüringer Bratwürsten über die Hähnchen von der Broiler-Schmiede, den französischen Crèpes am Stand des Jugendverbandes REBELL, dem angeblich „besten Grillgut vor der Autobahnauffahrt“ der MLPD, belgischen Waffeln, über die Popkorn-Maschine der Kinderorganisation ROTFÜCHSE, türkisch-kurdische Spezialitäten, Calamares mit spanischem Rotwein am traditionellen Stand von Maria bis zu den selbstgemachten Marmeladen der Familie Momberger und den Hähnchenkeulen, die ein pakistanischer Freund gespendet hat.


Erstmals war die Industriestraße für das Fest und ein Straßen-Soccer-Turnier des REBELL abgesperrt. Ob die Fantastic Five, die BlitzKids, Blau-Weiß Gelsenkirchen oder Soccer boys das Turnier gewinnen, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest.

"Kinder der Sonne"

Eine Ohren- und Augenweide war der Auftritt des Chors ezidischer Mädchen aus Wesel, die als "Kinder der Sonne" auch gegen die Angriffe des faschistischen IS auf ihre irakische Stadt Sengal sangen.


Die ROTFÜCHSE schickten die Kinder auf einen Spiele-Parcour mit acht Stationen und warben zugleich für ihr am 20. Juli beginnendes Kindercamp, das gemeinsam mit dem Jugendcamp des Jugendverbands REBELL im Thüringer Wald stattfinden wird.

Bergleute stehen auf

Um 15.30 Uhr begann im überfüllten Zelt vor der Anwaltskanzlei Meister & Partner eine spannende Veranstaltung zum Thema "Bergleute stehen auf gegen RAG-Politik der verbrannten Erde". Als Parteivorsitzende der MLPD stellte Gabi Fechtner die MLPD als die Partei vor, die seit über 30 Jahren eine Arbeit zum Bergbau macht, Betriebsgruppen an allen Zechen hatte - bevor sie geschlossen wurden - und seit Jahrzehnten eine Politik im Interesse der Arbeiterinnen, Arbeiter und ihrer Familien macht.

 

Während die RAG versuche, die verschiedenen Teile der Bergarbeiter - wie Stammbelegschaft und Leiharbeiter, nicht anpassungsberechtige und anpassungsberechtigte Bergleute -, aber auch die anderen Betroffenen ihrer Politik wie die Mieter der Zechensiedlungen, die vom Giftmüll unter Tage bedrohten Menschen des ganzen Ruhrgebiets usw. gegeneinander auszuspielen, komme es gerade darauf an, alle diese Kräfte zusammenzuschließen und zu bündeln, um eine überlegene Kraft herzustellen. Dem solle auch diese Veranstaltung dienen.

Kompetente Podiumsgäste und Diskussionsbeiträge

Das wurde schon in der kompetenten Zusammensetzung des Podiums und in den kurzen Auftakt-Statements der Podiumsteilnehmer deutlich: Andreas Tadysiak, Hauptkoordinator der Internationalen Bergarbeiterkoordinierung und bis vor einer Woche selbst 39 Jahre unter Tage tätig; Peter Weispfenning, Rechtsanwalt und seit langem an der Seite kämpfender Arbeiter und Bergleute aktiv; Werner Engelhardt, viele Jahre Stadtverordneter des Kommunalwahlbündnisses BergAUF in Bergkamen, Fachmann und Aktivist des Kampfs gegen den Giftmüll unter Tage; sowie Peter Römmele, Stahlarbeiter bei ThyssenKrupp und Landesvorsitzender der MLPD Nordrhein-Westfalen.

 

In der Diskussion berichteten weitere Bergleute - einer in Gedichtform - von ihren Erfahrungen. Zu Wort kamen Bergarbeiterfrauen, eine Stahlarbeiterin, eine Evonik-Beschäftigte, eine Ford-Arbeiterin, eine Vertreterin des Jugendverbands REBELL und viele andere.

 

Bei Redaktionsschluss ging es im Veranstaltungszelt weiter mit einer Gesprächsrunde "Gegen Gewalt an Frauen!" aus Anlass des sexistischen Mordversuch in Gelsenkirchen. Rote Fahne News wird darüber weiter berichten.

Ausklang mit Live-Musik und Tanz

Danach geht es weiter mit Siegerehrungen und Preisverleihungen für die Kinder- und Jugendwettbewerbe, einem Auftritt der Kindertanzgruppe "Schlossnarren" sowie Tanz zu Live-Musik von den "Joyriders" und von "Gehörwäsche". Alle Leser von Rote Fahne News in der Umgebung sind noch herzlich eingeladen, mitzutanzen.