Bergbau

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250 Bergleute demonstrieren lautstark und kampfentschlossen in Düsseldorf - jetzt mit Bildreport!

Ein lautstarker Bergarbeiter-Demonstrationszug zog heute durch die Landeshauptstadt Düsseldorf. Zirka 250 Kumpel, ein Großteil sogenannte nicht anpassungsberechtigte Bergleute¹, protestierten lautstark und kampfentschlossen gegen ihre Kündigung durch die RAG.

Von ffz
250 Bergleute demonstrieren lautstark und kampfentschlossen in Düsseldorf  - jetzt mit Bildreport!
Stahlarbeiter überbringt vor dem Landtag solidarische Grüße (rf-foto)

Ein Bildreport zur Demo ging gerade eben, am 29. Juni, online.

 

Mit dabei waren auch Familienangehörige, Delegationen von Opel und Daimler sowie Stahlarbeiter, Vertreter von Kumpel für AUF, MLPD, REBELL und ROTFÜCHSEN. Es war schon die vierte Demonstration seit Mitte März gegen die RAG-Politik der verbrannten Erde. Sie zog am Sitz von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) vorbei zum Landtag. Mit Trillerpfeifen, Sirenen, Vuvuzelas, Pressluftfanfaren usw. machten die Kollegen ihrem Unmut Luft.

 

Kurz vor Pfingsten hatten 200 Bergleute betriebsbedingte Kündigungen erhalten. Die Prognosen der MLPD und der kämpferischen Bergarbeiterbewegung, dass die RAG nach der Schließung der Zechen ihre jahrzehntelange Lüge "Keiner fällt ins Bergfreie" offen zur Makulatur erklären wird, bewahrheiteten sich.

 

Das wurde heute Laschet und seiner Vorgängerin Hannelore Kraft (SPD) um die Ohren gehauen. Auch die Klassenzusammenarbeitspolitik á la IGBCE-Spitze ist bei den Protestierenden untendurch. „Man hat uns verraten und verkauft“, kritisierten Kumpel. Bei zwei Zwischenkundgebungen forderten sie die Politiker auf, nach draußen zu kommen und sich ihrer Kritik zu stellen. O-Ton eines Kollegen: "Gebrochene Versprechen habe ich einen Teller voll. Ich will jetzt endlich Antworten auf meine Fragen."

Empörung über bürgerliche Politiker

Es gab große Empörung über die bürgerlichen Politiker, besonders, dass Laschet und Co. nicht nur Heuchler sind, sondern auch noch zu feige, um sich den Kumpels zu stellen, die um ihre Existenz kämpfen. "Wir sind wütend: Das ist eine große Sauerei, was hier läuft. Wir haben noch für Jahrhunderte Kohle und noch bis mindestens nächstes Jahr Arbeit im Rückbau. Und jetzt feuert die RAG die Kumpel zum Teil nur 13 bzw. 27 Tage, bevor sie in Anpassung gehen können, und lässt den Job durch Leiharbeiter machen", so ein Kumpel.


Viele berichteten auch von teils 30 Jahren harter Arbeit unter Tage. Dass man oft genug sein Leben riskiert hat, die Knochen kaputt sind usw. Dass es bei den offiziellen Feiern zum Bergbau-Ende "Danke Kumpel" hieß, ist eine Verhöhnung der Kumpel durch die Verantwortlichen bei RAG und in der bürgerlichen Politik. „Die dachten wohl, wir würden uns nicht wehren, würden nicht kämpfen. Haben die geglaubt, wir arbeiten in einer kleinen Schreinerei? Wir sind Bergleute, natürlich müssen wir kämpfen“, so ein Kumpel.

 

Auch die anderen "Sauereien" der RAG stoßen den Bergarbeitern übel auf. "Wir alle wissen, dass da unten Gift eingelagert ist. Jetzt stellen sie die Wasserhaltung ein. Das kann doch nicht sein", so ein Kollege. Es gab viele selbstgemalte Plakate.


"Mein Sohn möchte vielleicht auch mal einen Arbeitsplatz im Bergbau. Dazu ist es bald zu spät. Spätestens, wenn die Zechen geflutet werden. Was soll denn dann werden", so ein Kollege aus Gelsenkirchen. "Ich bin hier, weil ich nicht möchte, dass mein Vater seinen Arbeitsplatz verliert. Ich finde es wichtig, dass hier gekämpft wird, damit das noch verhindert wird", sagte die Tochter eines Bergmanns. Es waren etliche Bergarbeiterkinder da, auch Bergarbeiterfrauen.

 

Am offenen Mikrofon, das MLPD, Kumpel für AUF und die Bergarbeiterzeitung Vortrieb in der Demonstration mit dabei hatten, sprach eine Reihe von Kollegen. Ein Stahlarbeiter von Thyssenkrupp Steel überbrachte die Solidarität seiner Belegschaft und des Vertrauenskörpers und betonte, dass die Bergarbeiter und Stahlarbeiter im Revier einen gemeinsamen Kampf führen. Eine ehemalige Kollegin von Opel in Bochum berichtete von den Erfahrungen im Opel-Streik und versicherte die Solidarität. Sie berichtete, dass die Kassiererinnen der Streikkasse, in der sich noch 40.000 Euro befinden, mitteilen: Wenn die Kumpels eine Entscheidung zu einem Streik treffen, dann wird auf Antrag diese Kasse für die Kumpels geöffnet.

MLPD aktiv an der Seite der Kumpels

Die MLPD beteiligte sich selbstverständlich aktiv an der Demonstration. Schon auf dem Parkplatz bei Prosper gab es erste Sympathie-Bekundungen. Auf die Frage, wie es ihm geht, antwortete ein Kumpel: „Wenn ich euch sehe, geht‘s mir immer sehr gut.“


Die MLPD macht seit über 35 Jahren eine aktive Bergbauarbeit. Sie hat seit Jahrzehnten das ganze Lügengebäude vom „angeblich“ sozialverträglichen Arbeitsplatzabbau angeprangert. Ein Kumpel meinte nach einem längeren Gespräch nachdenklich: „Um ganz ehrlich zu sein: Wir haben das früher nicht so ganz ernst genommen, was ihr da gesagt habt.“ Aber es hat sich voll bewahrheitet.


Die MLPD ist eine Arbeiterpartei. Sie hatte Betriebsgruppen an allen Zechen und ihre Mitglieder unter den Bergarbeitern sind als aktive Kämpfer bekannt. Über 70 Prozent ihrer Mitglieder sind Arbeiterinnen und Arbeiter oder kleine Angestellte, besonders in verschiedensten Großbetrieben.


Ein Kumpel meinte anerkennend: „Es ist sehr gut, wie lange ihr hier schon dabei seid. Dafür habt ihr einen echten Bonus bei mir.“ Ein anderer erklärte: „Der Vortrieb war schon immer unsere Zeitung.“

 

Die MLPD hatte extra neue Plakate gedruckt, unter anderem gegen die Kündigungen der Nicht-APG-Berechtigten2 und mit der Forderung nach Ersatzarbeitsplätzen bei der RAG. Ihre Mitglieder führten mit so ziemlich jedem auf der Demonstration Diskussionen. Die MLPD zeigte ihre Solidarität unter anderem mit einer Fahne und gab den Kumpels die Möglichkeit, ihren Protest zu äußern. Während die meisten das natürlich gut fanden, gefiel es weder dem Anmelder der Demonstration, Rechtsanwalt Daniel Kuhlmann, noch fünf bis zehn rückschrittlichen Ordnern oder anderen Anwesenden.

 

Statt den gemeinsamen Kampf gegen die RAG voll in den Mittelpunkt zu rücken, stellten sie Widersprüche zur MLPD in den Vordergrund, entrissen Plakate, hetzten und holten sogar die Polizei, damit sie Plakate aus Demonstration entfernt. Ausgerechnet das Plakat „Rücknahme der Kündigung der Nicht-APG-Berechtigten“ wurde entwendet und zerstört. Wer hat an einem solchen Vorgehen eigentlich welches Interesse? Im Interesse der Arbeiterbewegung und der Kumpels liegt es sicher nicht.

 

Unter der Prämisse "Keine Politik" oder auch „keine Parteien“ (hinterher wurden alle eines Besseren belehrt, worum es wirklich ging) waren sie sich nicht einmal zu schade, die Polizei zu holen - gegen Leute, die ihre Solidarität zum Ausdruck bringen.

 

So wurden zwei Plakatträger von der Polizei auf Ersuchen Kuhlmanns aus der Demo verwiesen. Der Tiefpunkt war schließlich, dass Kuhlmann unter frei erfundenen Vorwürfen angeblicher Tätlichkeiten Peter Weispfenning aus der Versammlung ausschloss, von sieben Polizisten eingekesselt wie ein Schwerkrimineller. Dabei ist er selbst Rechtsanwalt und vertritt seit Jahren engagiert und kompetent Opel-Arbeiter, Bergleute usw. Das stieß auf große Empörung unter Teilnehmerinnen und Teilnehmern. „Man kann über alles diskutieren und auch unterschiedlicher Meinung sein. Das aber geht gar nicht“, so ein typischer Kommentar.

 

Natürlich wurde gegen das Vorgehen protestiert, aber auch ganz selbstverständlich gestützt auf die Kumpel durchgesetzt, dass die Plakate weitergetragen werden, dass Flyer verteilt werden (was auch verboten worden war) usw.

Eklat vor dem Landtag

Vor dem Landtag angekommen folgte dann eine Inszenierung, die klarmachte, warum die MLPD von der Demonstration ferngehalten werden sollte. Heraus kamen nur zwei AfD-ler, die einige seichte Worte verbreiteten und dann scheinbar spontan eine Delegation in den Landtag einluden. Wenn man vorne stand, bekam man genau mit, dass es dazu aber eine bereits vorbereitete Liste mit über 20 Namen gab, wer hineingehen sollte.

 

Das wurde dann umfassend begleitet und kommentiert von Herrn Kuhlmann. Es ging nie darum, dass keine Parteien auftreten sollen. Es sollte nur nicht die MLPD auftreten und das Anliegen der Kumpels in die völlig falschen Hände einer ultrarechten und faschistoiden Partei gegeben werden, während doch gerade der internationalistische Charakter unter den Bergleuten besonders ausgeprägt ist. Die AfD, das ist eine rassistische Partei, die die Arbeitereinheit spaltet. Die AfD ist keine Arbeiterpartei, sondern eine extreme Kapitalpartei.

 

Auf Protest stieß die Aussage eines ihres Vertreters: Mit der Bergbauschließung sei „klar, dass wir (die Kumpels - Anm. d. Red.) sterben, aber das soll wenigstens in Würde geschehen“. Soll so versucht werden, den Kumpels eine Niederlage beizubringen? Will man hier irgendwelche Hoffnungen auf Brosamen der bürgerlichen Politik wecken, damit die Kumpels die Initiative aus der Hand geben?

 

Alle Kämpfe der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Arbeiter immer die Initiative in der Hand halten müssen. Dass Streik ihre starke Waffe ist, dass sie - wenn sie kämpfen - breite Solidarität erhalten. Dass sie aber auch eine politische Vertretung benötigen. Denn die Bergbauschließung ist Ergebnis einer bürgerlichen Politik. Wir brauchen natürlich Gewerkschaften als Kampforganisation usw. Aber sie können die Politik nicht ändern, dafür braucht es die MLPD als Arbeiterpartei.

 

Die MLPD steht konsequent an der Seite des Kampfs der Kumpel. Sie brachte außerdem verschiedene andere Felder der Politik der verbrannten Erde der RAG ein: die Zechenflutungen, den Deputatklau, die Bergbauwohnungen usw. Alle, die eine Rechnung mit der RAG offen haben, müssen zusammen kämpfen, statt die Proteste der Nicht-APG-Berechtigten künstlich herauslösen zu wollen. Es sind die Herrschenden, die nach dem Prinzip "Teile und Herrsche" verfahren. Die Arbeiterinnen und Arbeiter brauchen den gemeinsamen Kampf, die Solidarität - das macht sie stark.

 

Gabi Fechtner, die Parteivorsitzende der MLPD, überbrachte die herzlichsten solidarischen Grüße. Sie prangerte die Behandlung der Bergarbeiter und ihrer Lebensleistung durch bürgerliche Politik und RAG an. Natürlich kritisierte sie auch die Vereinnahmungsversuche der faschistoiden AfD. Sie sprach sehr vielen aus dem Herzen und erhielt großen Beifall.

Kampf geht weiter

Am Ende der Kundgebung herrschte unter den Kumpels die allgemeine Stimmung, dass das ein Schritt, aber nicht das Ende des Kampfes war. Der Kampf muss weitergehen und dazu werden verschiedenste Vorschläge diskutiert, auch dass man zur RAG zieht oder auch wie man zum starken Mittel des Streiks greifen kann. Die MLPD wird weiter zu 100 Prozent hinter den Kumpels und ihrem Kampf stehen. Glück Auf!