Antifaschismus

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„Lidické ovce – Die Schafe von Lidice“

Der folgende Artikel stammt vom Vorstandsmitglied der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) Chemnitz, Peter Blechschmidt. "Rote Fahne News" dankt Raimon Brete von der Linkspartei Chemnitz dafür, dass er uns den Artikel zur Verfügung gestellt hat.

Peter Blechschmidt, Vorstandsmitglied VVN/BdA Chemnitz
„Lidické ovce – Die Schafe von Lidice“
Das Mahnmal von Lidice (foto: Peter Blechschmidt)

Am 15. Juni gedachten Hunderte Kinder, Frauen und Männer aus vielen Ländern Europas der Ermordeten am Mahnmal in Lidice.

 

Nach Bekanntwerden der Vernichtung und Vertreibung der Bewohner von Lidice wegen einer vermeintlichen Unterstützung der Attentäter des Anschlags auf den stellvertretenden Reichsprotektor Heydrich am 10. Juni 1942¹, wurde im Ghetto Terezin ein Gedicht der Krankenschwester Ilse Weber "Lidické ovce – Die Schafe von Lidice” (ermordet in Auschwitz) verbreitet. Das Gedicht wurde auch aus dem Ghetto geschmuggelt.

 

Es gibt sinnbildlich wieder, dass das Dorf und seine Menschen “ausgelöscht" wurden und Teile des Tier-Bestandes der Bauern in das Ghetto überführt wurden. Bekannt wurde durch Augenzeugen, dass auf Anforderung der SS-Kommandantur ein “Arbeitskommando” von 30 Häftlingen aus Theresienstadt nach Lidice befohlen wurde, um ein Massengrab auszuheben und die Leichen zu beerdigen.

 

Einige Tage nach der Vernichtung von Lidice wiederholten ähnliche “Einsatzgruppen” von Ordnungspolizisten Racheaktionen gegen das Dorf Lezaky. Insgesamt wurden 1357 tschechische Bürger standrechtlich erschossen.

 

Die britische Regierung kam nach der Ausschaltung Heydrichs aber auch mit dem weiteren brutalen Vorgehen gegen die tschechoslowakische Bevölkerung nicht umhin, die militärische Operation der Exilregierung als erfolgreich, aber auch das Münchner Abkommen für null und nichtig zu erklären.

 

In das neue Lidice kehrten nach der Befreiung 143 Frauen zurück, nach zweijähriger Suche konnten 17 Kinder zu ihren Eltern zurückgebracht werden. Zur Erinnerung tragen acht Gemeinde und Ortsteile in der Welt und Frauen in 24 verschiedenen Staaten der Welt den Namen Lidice. Oftmals werden die Namen Lidice, Lezaky und das norwegische Telvag - Ort eines Vergeltungsaktes für eine Widerstandsaktion in Norwegen am 30. April 1942 - gemeinsam genannt.

 

Am 15. Juni nahm eine Abordnung des Stadtverbandes der VVN/BdA mit sieben Kameradinnen und Kameraden wieder an der jährlichen Ehrung im "Lidice Memorial" teil und reihte sich mit einem Kranz des Stadtverbandes Die Linke Chemnitz, Gedenkschleifen und eigenem Gebinde in die internationale Gedenkgemeinschaft ein.

 

“Weder Auschwitz noch Oradour-sur-Glane noch Lidice verjähren jemals. Da gibt es nichts zu verzeihen, keinen Schlusstrich zu ziehen. Eine kollektive Scham muss den Nachgeborenen unbedingt bewahrt bleiben“, so Walter Ruge 2008 in Potsdam anlässlich seiner Buchpräsentation “Wider das Vergessen”. Wenn auch nicht alle, so konnten bis 1989 in der DDR Kriegs- und Naziverbrecher mit Beteiligungen an “Vergeltungsaktionen” innerhalb des Verbrechenskomplexes “Heydrichiade” ... oft im Zusammenwirken mit tschechischen Behörden verurteilt und ihrer Strafe zugeführt werden.