Bergbau

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Kampf der schleichenden Vergiftung unter Tage

Am 11. Juni haben rund 250 Bergleute mit ihren Familien in Bottrop mit einer selbstorganisierten, lautstarken Demonstration ihren Widerstand gegen ihre betriebsbedingten Kündigungen durch die RAG auf die Straße getragen.

Von gp /ffz / ms
Kampf der schleichenden Vergiftung unter Tage
Es lagert noch Kohle führ Hunderte Jahre im Ruhrgebiet - die Verfüllung der Schächte mit Gift ist ein Frevel an Umwelt und Massen im Revier (rf-foto)

Von wegen "im Bergbau ist alles gelaufen"! Die Bergarbeiterbewegung Kumpel für AUF und die Bergarbeiterzeitung Vortrieb hatten schon lange und als Erste diese Entwicklung vorhergesagt und zum Kampf dagegen aufgerufen.

Dieser Kampf geht alle an

Dieser Protest geht alle Menschen im Ruhrgebiet, in ganz Nordrhein-Westfalen und darüberhinaus an. Denn es geht dabei keineswegs nur um die aktuellen Kündigungen der Bergleute.

 

Es geht auch um die Schließung der Kohlezechen überhaupt, die Vernichtung zahlreicher Ausbildungsplätze im Bergbau, die Abschiebung jüngerer Kumpels in Leiharbeit, den Deputatklau (siehe Rote Fahne News), die Privatisierung zahlreicher günstiger Bergbauwohnungen und Erhöhung der Mieten sowie die Folgen des rücksichtslosen Kohleabbaus in Form von Bergschäden an Gebäuden, Straßen, Gewässern und Abwasserkanälen. Aber auch um das Inkaufnehmen einer regionalen Umweltkatastrophe durch die Flutung der Zechen und des dort gelagerten Giftmülls unter Tage.

 

All das sind Bestandteile einer Politik der verbrannten Erde, für die die RAG1 im Schulterschluss mit der bürgerlichen Politik verantwortlich ist.

Aufruf zum Kampf gegen Zechenflutung

Zum Skandal des Giftmülls unter Tage und seiner geplanten Flutung wenden sich jetzt Ärzte, Psychologen und Apotheker mit einem Aufruf „Zechenflutung stoppen - Giftmüll entsorgen“ an die Öffentlichkeit. Darin heißt es unter anderem:

 

„Mit Schließung der letzten Zechen in Nordrhein-Westfalen will die RAG jetzt vollendete Tatsachen schaffen und hat die Flutung der Zechen in NRW und im Saarland begonnen. 1,6 Millionen Tonnen Giftmüll wurden in den 1990er-Jahren in den Zechen eingelagert, über 10.000 Tonnen des Ultragiftes PCB versickerten ebenfalls unter Tage.

 

Mit der Flutung der Zechen kommt Grubenwasser mit hoher Wahrscheinlichkeit in Kontakt mit dem Grundwasser, das abgepumpte Grubenwasser landet in Flüssen und Meeren und steigert dort die bereits erkennbaren Störungen ganzer Öko-Systeme.

 

Wir sehen auch größte Gefahr für das Grund- und Trinkwasser ganzer Regionen und warnen vor einer drohenden schleichenden Wasservergiftung mit erheblicher Gesundheitsgefahr für Millionen Menschen. Schadstoffe wie Schwermetalle, PCB und Benzol wirken über Jahre und Jahrzehnte mit den möglichen Folgen von Krebs, Leukämie, Immunkrankheiten, Nervenkrankheiten und Schädigungen des Erbguts. Schon jetzt wird Grubenwasser mit nachweislichem Gehalt an PCB und Schwermetallen ungefiltert und damit fahrlässig in öffentliche Gewässer eingeleitet.

Ersatzarbeitsplätze durch sachgerechte Entgiftung

Nachdem bereits heute fast jeder zweite Mensch im Laufe seines Lebens eine Krebsdiagnose erhält und viele andere chronische Erkrankungen zunehmen, fordern wir höchste Standards für den Umweltschutz und Verhinderung weiterer Gifteinträge in die Umwelt.

 

Deswegen muss die Zechenflutung umgehend gestoppt, der Giftmüll sachgerecht entsorgt und das abgepumpte Grubenwasser gereinigt und entgiftet werden. Mit diesen und weiteren Umweltschutzmaßnahmen könnten auch die 200 Bergleute weiter beschäftigt werden, die von der RAG gekündigt werden.“ (Hier der komplette Aufruf mit allen Unterzeichnern)

RAG-Behauptungen nicht haltbar

Dass sich Wasser eben nicht - wie gebetsmühlenartig von der RAG behauptet - stoppen lässt, sondern dass es sich immer einen Weg sucht, zeigt das Beispiel der Felsenquelle in Essen-Kettwig: In dem von vielen Menschen als kostenloser Trinkwasserspender genutzten Naturdenkmal wurden 2018 bei einer Messung überhöhte Werte von Benzo-a-pyren festgestellt. Dabei handelt es sich um eine chemische Verbindung aus der Gruppe der polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK), die vor allem in (altem) Straßenaufbruch, in Schlacken und Aschen vorkommt.

 

Zu vermuten ist, dass der Schadstoff aus den mit Bauschutt verfüllten Steinbrüchen in der Gegend austritt und vom Grundwasser ausgewaschen wird. Möglich ist aber auch kontaminiertes Grubenwasser. Das zeigt, dass sich auf Dauer nicht verhindern lässt, dass Grubenwasser mit Trinkwasser in Berührung kommt. 

Taktikwechsel der Monopole zeichnet sich ab

Die Politik der verbrannten Erde durch die RAG steht auch für einen sich abzeichnenden Taktikwechsel der Monopole. In allen großen Konzernen stehen Programme zur massenhaften Vernichtung von Arbeitsplätzen an, alle verbunden mit dem vagen Versprechen des „Verzichts auf betriebsbedingte Kündigungen“. Das Vorgehen der RAG ist eine „Blaupause“ für ein künftig schärferes Vorgehen der Konzerne gegen die Arbeiterklasse.

 

Bei ZF und Opel Rüsselsheim drohen die Vorstände bereits mit Kündigungen, sollten die Kolleginnen und Kollegen nicht „freiwillig“ auf ihre Arbeitsplätze verzichten. Die Tatsache, dass sich vermehrt Kolleginnen und Kollegen weigern, „freiwillig“ ihren Arbeitsplatz aufgeben, dass sie dabei nicht nur an sich, sondern auch die Jugend denken, ist Ausdruck eines gewachsenen Klassenbewusstseins.

Diktatur der Monopole kommt zum Vorschein

Im Vorgehen der RAG spiegelt sich wie in einem Brennglas die Diktatur der Monopole über die gesamte Gesellschaft wider. Damit geht die Auseinandersetzung weit über den Bergbau hinaus, entwickelt sich zu einer gesamtgesellschaftlichen Kulmination. Sie betrifft die gesamte Arbeiterbewegung und die Masse der Bevölkerung, die Umwelt-, Frauen- und Jugendbewegung.

 

Es geht um die Frage, was setzt sich durch - die Profitinteressen von Konzernen wie der RAG oder die Interessen der Arbeiterklasse und der breiten Massen?

Weitere Protestdemonstration

Gegen die Politik der verbrannten Erde rufen die Zeitung der Bergarbeiterbewegung, Vortrieb, und die kämpferische Bergarbeiterinitiative Kumpel für AUF für Samstag, 15. Juni, zu einer weiteren Protestdemonstration in Bottrop auf. Sie steht unter dem Motto: „Jetzt nachlegen!“ Dazu wird breit in Nordrhein-Westfalen, aber auch darüber hinaus mobilisiert.

 

Kumpel für AUF führt in dieser Woche in Nordrhein-Westfalen acht Informations- und Bildungsveranstaltungen durch (mehr dazu). Die Personenwahlbündnisse aus sechs Städten rufen ebenso zur Beteiligung auf wie die Koordinierungsgruppe der bundesweiten Montagsdemo-Bewegung, die Solidaritäts- und Hilfsorganisation Solidarität International und die türkische Migrantenorganisation ATIF.

Breit mobilisieren!

In vielen Betrieben und Gewerkschaften wird für die Demonstration mobilisiert, auch bei den Bergleuten im Saarland sowie bei Kali und Salz in Hessen und Thüringen. Die Parteigruppen der MLPD konzentrieren ihre Arbeit auf die breite Mobilisierung und Gewinnung neuer Kräfte.

 

Die MLPD ist Teil der Bergarbeiterbewegung und steht an der Seite der Kumpel im Kampf gegen die Politik der verbrannten Erde der RAG. Um dem Übel an die Wurzel zu gehen, um die soziale Frage in Einheit mit der Umweltfrage grundsätzlich zu lösen, muss der Kapitalismus auf revolutionärem Weg überwunden werden.

 

Flugblatt der MLPD "Bergbau - die Fronten klären sich"

 

Hier das Flugblatt als Druckvorlage

 

Aufruf kommunalpolitischer Bündnisse zur Demonstration