Bergbau

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Kämpferische, selbständige Bergarbeiterdemonstration in Bottrop

Die Bergleute sind wütend. 200 von ihnen (so genannte Nichtanpassungsberechtigte¹) haben am Freitag vor Pfingsten ihre Kündigung bekommen. Heute, 11. Juni, machten sie ihrer Wut Luft und demonstrierten in der Bergwerksstadt Bottrop. Hier war 2018 auf Prosper-Haniel die letzte Kohle des Ruhrgebiets gefördert worden.

Von Landesleitung NRW der MLPD
Kämpferische, selbständige Bergarbeiterdemonstration in Bottrop
Die Kumpel bei ihrer Demonstration durch Bottrop (rf-foto)

Von wegen „Keiner fällt ins Bergfreie“! Diese Illusion ist geplatzt. Die Kumpel sind berechtigt sauer auf die Ruhrkohle AG (RAG), die Betriebsrats- und die IGBCE-Führung. Die kämpferische Bergarbeiterbewegung, Kumpel für Auf und die MLPD haben schon seit Jahren davor gewarnt, dass nach dem Ende der Steinkohleförderung ein Übergang zu betriebsbedingten Kündigungen und eine regionale Trinkwasserkatastrophe drohen, wenn das Grubenwasser ansteigt (siehe Rote Fahne News).

 

Die Kumpels sammeln sich heute vor Prosper 2 – die Demonstration geht zum Arbeitsamt, wo sich die ersten beiden gekündigten Kumpels symbolisch arbeitslos melden.

Wütend, entschlossen und kämpferisch

Die Demonstration ist wütend, entschlossen und kämpferisch. Zeitweise wird die Kreuzung blockiert und die Kundgebung vor dem Arbeitsamt wird genutzt, den Unmut über den ganzen Umgang mit den Kumpels auszudrücken. Allen Unkenrufen und skeptischen Meinungen zum Trotz, dass im Bergbau kein Kampf mehr möglich sei, weil nur noch wenige Kumpels dort arbeiten, wird heute das Gegenteil bewiesen.

Mir fehlen nur noch 27 Tage, dann wäre ich in Anpassung. Nun habe ich die Kündigung und muss bis 67 Jahre weiterarbeiten, bis ich in Rente kann. Eine Sauerei ist das

Ein betroffener Kumpel

Ein Kumpel erzählt: „Mir fehlen nur noch 27 Tage, dann wäre ich in Anpassung. Nun habe ich die Kündigung und muss bis 67 Jahre weiterarbeiten, bis ich in Rente kann. Eine Sauerei ist das.“ Die Zeitung der Bergarbeiterbewegung in Deutschland, Vortrieb, die den Aufruf zur Demo am 15. Juni in Bottrop enthält (siehe Rote Fahne News) wird verteilt – und manche Spende dafür wird gesammelt.

 

Während zwei Kumpels sich stellvertretend für die anderen Kumpel beim Arbeitsamt arbeitslos melden, geht vor dem Arbeitsamt der Protest weiter

Es gibt Redebeiträge von den Bergleuten. Erst über Megafon, dann über die Lautsprecheranlage, die von der MLPD zur Verfügung gestellt wird. Eine junge Frau, 20 Jahre alt, spricht: „Mein Vater ist Bergmann. Wir müssen jetzt zusammenhalten. Es ist egal, woher man kommt – wir sind eine Nation und wir müssen zusammen kämpfen.“ Ein kleiner Junge – vielleicht zehn Jahre alt: „Auch mein Vater ist Bergmann. Wir dürfen uns nicht wie Kaugummi ausspucken lassen – wir müssen uns zusammenschließen.“

Ein Bergmann aus der Demokratischen Republik Kongo spricht

Es spricht auch Eugene. Er ist Bergmann in einer Diamantmine in der Demokratischen Republik Kongo. Er betont, dass die Bergleute weltweit das gleiche Los – aber auch die gleiche Kraft haben. Er will über die Demo in seiner Heimat berichten. Vor allem wird den Kumpels dort erzählt, dass niemand ins Bergfreie fällt. Das ist eine Lüge.

 

Einige Teilnehmer finden nicht gut, dass bei diesem Protest Kumpel für Auf und MLPD mit Schildern kenntlich teilnehmen. Sie fordern, dass Plakate mit Forderungen, dass die Umweltverbrecher RAG und VW zur Rechenschaft gezogen werden müssen, gegen Zechenstilllegungen, sowie eine Fahne der MLPD aus der Demo genommen werden. Es wird sogar die Polizei geholt.

 

Dabei ist die MLPD seit 30 Jahren in der Bergarbeiterbewegung aktiv. Sie vertritt neben den gemeinsamen Interessen der Bergarbeiter auch diejenigen kämpferischen und klassenkämpferischen Kumpel, die über Einzelfragen hinaus eine gesellschaftliche Alternative wollen. Natürlich gibt es über Fragen der Perspektive auch unterschiedliche Meinungen, aber diese müssen im Interesse des jetzt stattfindenden gemeinsamen Kampfes von allen zurückgestellt werden; beziehungsweise ist es kontraproduktiv, diese in den Vordergrund zu rücken. Dementsprechend wird das Lied der Stahlarbeiter „Keiner schiebt uns weg“ heute kurzerhand auf die Lage der Bergleute umgedichtet. Und die Plakate bleiben selbstverständlicher Teil der Demonstration.

 

Die Parteivorsitzende der MLPD, Gabi Fechtner, spricht zu den Kumpels und überbringt die Solidarität der MLPD. Sie fordert, den Protest zu verstärken und in ganz Deutschland bekannt zu machen. Deswegen sei es auch wichtig, an der Demonstration am kommenden Samstag teilzunehmen, weil hier die verschiedensten Bewegungen gegen die Politik der verbrannten Erde der RAG zusammenkommen und so der Protest stärker wird. Sie protestierte dagegen, dass einzelne Teilnehmer forderten, MLPD-Schilder aus der Demo zu nehmen. Eine solche Ausgrenzung schwäche den gemeinsamen Protest. Dafür gab es viel Beifall.

Demonstration zog auch wieder zurück

Statt – wie sonst üblich - löste sich die Demo nach Beendigung des Protestes nicht auf, sondern marschierte wieder dieselbe Strecke zum Ausgangspunkt der Demo zurück – eine zweite Demo also für die Anliegen der Bergleute, mit denen sich viele Nichtbergleute identifizieren. Es herrschte große Einigkeit darüber, dass nun weitere kämpferische Aktionen notwendig sind.

Jetzt auf zur Demonstration am 15. Juni in Bottrop

Rechtsanwalt Daniel Kuhlmann, der eine Reihe der gekündigten Kumpels anwaltlich vertritt, hatte für die Kumpels die Demonstration angemeldet, und sagte, dass bei allen kommenden kämpferischen Aktivitäten alle mitmachen müssen. Ausdrücklich rief er auch zur Demonstration am 15. Juni in Bottrop auf.

 

Ein ehemaliger Bergmann stellte zur Abstimmung, ob nicht aus 1997 gelernt und solange nicht mehr eingefahren wird, bis die Kündigungen vom Tisch sind. Darüber müssen die Kumpels entscheiden, jetzt geht die Diskussion weiter und der erste Schritt ist gemacht.

 

Hier das aktuelle Flugblatt der MLPD "Bergbau – die Fronten klären sich: Wer steht für die Politik der verbrannten Erde und wer kämpft um die Zukunft?"