Dortmund, Gelsenkirchen, Mülheim an der Ruhr

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Fridays for Future: Spannende Entwicklung bei Demonstrationen

Auch am heutigen 22. März fanden wieder vielerorts Fridays-for-Future-Demonstrationen statt. Aus Dortmund, Gelsenkirchen und Mülheim an der Ruhr berichten Korrespondentinnen und Korrespondenten:

Von ffz / Korrespondenzen
Fridays for Future: Spannende Entwicklung bei Demonstrationen
"Kein Bock auf Smog" in Mülheim an der Ruhr (rf-foto)

Dortmund: „Wir entschuldigen uns doch nicht dafür, dass wir für die Rettung der Erde und für unsere Zukunft kämpfen!“

Deutlich über 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich am 22. März am Friedensplatz in Dortmund. Das war, abgesehen vom internationalen Aktionstag mit über 2000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die bisher größte Fridays-for-Future-Aktion in Dortmund! Die Bewegung wächst. Es waren viele junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer da; auch mehrere Lehrerinnen und Lehrer mit ihren ganzen Schulklassen. „Wir schwänzen nicht – wir kämpfen“. „In der Schule wurde uns gesagt, wir müssten zumindest Entschuldigungsschreiben für heute vorlegen. Aber wir entschuldigen uns doch nicht dafür, dass wir für die Rettung der Erde und für unsere Zukunft kämpfen!“, waren einige der Statements der jungen Umweltkämpferinnen und Umweltkämpfer.

 

Die Demo zog kämpferisch durch die Stadtmitte. Die lautstarken Parolen gingen von: „Klima retten hier und jetzt“ über: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut“ zu: „system change – not climate change, und nahmen gerade Monopole wie RWE ins Visier. Die Bewegung bewahrt und stärkt ihre Unabhängigkeit: Vor einer Woche wurden Mitglieder des Jugendverbands REBELL noch attackiert, und es wurde versucht, sie aus der Demo zu drängen. Das war heute ganz anders: Die ganze Aktion war geprägt von wirklicher Überparteilichkeit, solidarischen Diskussionen und Aktionen.

 

Es gab ein offenes Mikrophon mit vielfältigen Beiträgen zur Kapitalismuskritik, zu den verheerenden Auswirkungen, die wir zum Beispiel ganz aktuell mit den Überschwemmungen in Afrika erleben, dazu, dass die drohende Klimakatastrophe nicht im Unterricht behandelt wird, obwohl sie uns unmittelbar betrifft. Eine Vertreterin des Jugendverbands REBELL sprach: „Über 1,6 Millionen Jugendliche haben letzte Woche demonstriert. Toll wie viele hier weltweit gemeinsam für die Zukunft kämpfen. Jedes Mal kommen mehr dazu. Es zeigt, wie viele für eine Gesellschaft sind, in der die Einheit von Mensch und Natur im Mittelpunkt steht. Im Kapitalismus wird stattdessen Politik im Dienste der Monopole gemacht. Dagegen ist Rebellion gerechtfertigt und der Kapitalismus muss revolutionär überwunden werden. Dafür steht der REBELL. Damit das Anliegen dieser Bewegung erkämpft wird, muss der REBELL stärker werden. Gerade bereiten wir das 19. Internationale Pfingstjugendtreffen vor. In der Zusammenarbeit können wir uns gut kennenlernen.“

 

Danach kamen Jugendliche, die für ihre ganze Klasse Infos zum Pfingstjugendtreffen und zum REBELL haben wollten. Der REBELL Dortmund lud zur REBELL-AG zur Vorbereitung zum Pfingstjugendtreffen ein. Kontakte wurden geknüpft und es bestand große Offenheit für den Gedanken, sich mehr damit zu befassen, dass man sich dauerhaft organisieren muss und das jetzt ein guter Zeitpunkt dafür ist. Viele waren erstmals auf der Demo, einige sagten: „Man kann nicht immer sagen, es müsste mal was gemacht werden, sondern man muss selbst Entscheidungen treffen und aktiv werden.“

100 Schülerinnen und Schüler bei zweiter Fridays-for-Future-Demonstration in Gelsenkirchen

Heute, am Freitag, den 22. März, hat die zweite Fridays-for-Future-Demonstration in Gelsenkirchen mit 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im strahlendem Sonnenschein stattgefunden. Aufgerufen hatte eine, am Dienstag im Jugendzentrum Ché gegründete, Vorbereitungsgruppe. Sie hat sich folgende Grundsätze gegeben:

1. Wir treten alle für den Kampf um Umweltschutz ein. Alle Meinungen sind bei uns willkommen – außer faschistische Meinungen.

2. Wir kämpfen für eine Zukunft, für die es sich zu lernen lohnt – es ist kurz vor 12! Es ist erst zu spät, wenn wir aufhören zu kämpfen!

3. Es finden regelmäßig öffentliche Organisationstreffen statt, die demokratisch verlaufen. Auch Organisationen sind willkommen, dürfen aber nicht dominieren.

Die Einladung wurde vor und in zehn Schulen verteilt.

 

Wir hatten eine vielfältige und bunte Bewegung mit rund 90 Schülerinnen und Schülern aus über fünf Schulen, Parents for Future, Teachers for Future. Neu waren dieses Mal auch mehrere Berufsschüler da. Des weiteren kamen auch pensionierte Gelsenkirchener Lehrer zur Unterstützung, ebenso Mitglieder des Jugendverbands REBELL, der Jusos, der MLPD und Schalke-Fans. Wir freuten uns auch, als Pfarrer Stahlhut vorbei kam und Flyer verteilte, um alle Schüler zum Jugendgottesdienst am 24. März einzuladen.

 

Vor Beginn malten Schülerinnen und Schüler Plakate, warum sie gekommen sind. Da stand zum Beispiel drauf: „Keine Träume ohne Bäume....“ Rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ergriffen das Wort am offenen Mikrofon, mit Beiträgen zur aktuellen Entwicklung der Umwelt und zur Lösung der Umweltfrage, zum Tierschutz oder auch gegen Artikel 13.

 

Ein Lehrer kritisierte die Schulministerin, die den Schülern und Schülerinnen verbietet, zu den Fridays-For Future-Aktionen hinzugehen. Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer der Lessing-Realschule berichteten, wie sie sich im Unterricht gemeinsam vorbereitet hatten. Mit großer Sachkompetenz machten die Schülerinnen und Schüler deutlich, dass es ihnen keineswegs um Schule schwänzen geht, sondern um den Schutz der Umwelt.

 

So hieß es auf den Schildern: „We are the changer, the planet is in danger!“; „Animal-Liberation gegen Massentierhaltung“, „Es gibt keinen Planet B“, „We have no time anymore“, „Rettet die Umwelt vor der Profitwirtschaft“, „Dinosaurier dachten auch, sie hätten noch Zeit“. Mitglieder des REBELL hatten ihre Trommeln mitgebracht, an denen Schülerinnen und Schüler schnell eingelernt wurden und die dann für gute Rhythmen sorgten. Gemeinsam mit Parolen entstand so eine super Stimmung. Insgesamt war es eine echt schöne und kämpferische Aktion.

 

Leider hatte sich eine kleine Gruppe abgespalten, denen Antikommunismus wichtiger war als der Umweltschutz. Eine solche negative und rückwärtsgewandte Motivation war logischerweise nicht gerade anziehend. So waren dort vor allem Erwachsene (rund 15) gekommen sowie rund 15 Schüler. Dass diese Aktion unabhängig war, ist ein Witz. Es waren dort sehr viele Politiker, die sich hinter den Parents for future versteckten.

 

Bei uns konnte jeder offen zeigen und sagen, wer er ist, ohne deshalb schief angeguckt zu werden. Die Jugendpolitische Sprecherin der MLPD, Lisa Gärtner, wandte sich mit einem offenen Brief an die Schülerinnen und Schüler von Fridays for Future. Die Spaltung wurde von vielen Teilnehmerinnen, Teilnehmern, Jugendlichen, Schülerinnen und Schülern abgelehnt und für nicht gut befunden. Wir sind der Meinung, dass man unbedingt zusammenarbeiten muss, um etwas für das Klima zu erreichen - auf überparteilicher Grundlage. „Von Religion bis Revolution“, wie eine Rednerin forderte.

Premieren-Demo in Mülheim

Am heutigen 22. März war die erste Fridays-For-Future-Demo in Mülheim an der Ruhr. 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren angemeldet, dann kamen über 300! Sichtlich stolz waren die Schülerinnen und Schüler von mehreren Schulen über ihre Mobilisierung. Einige kamen als Klasse mit Lehrern, aber auch einzelne: „Wir beide sind die einzigen aus der Klasse und sind einfach gegangen. Man muss auch mal was wagen!“

 

Die Ernsthaftigkeit war in vielen Gesprächen anzumerken, und wir wurden uns schnell einig, dass die Konzerne die Verursacher der Klimakatastrophe sind, und auch der ganze Kapitalismus weg muss. Das REBELL-Flugblatt wurde gerne genommen – wenn auch einige Ordner meinten, das Verteilen verbieten zu müssen. Bisher ist der REBELL in Mülheim weitgehend unbekannt, das muss sich ändern!! Das Mantra „keine Parteien“ zog bei der Masse der Teilnehmenden nicht. Zu dem Schild „jung und alt gemeinsam“ gab es etliche Daumen hoch und zum Schluss war sogar noch ein kurzes Statement am Mikro möglich.

Rote Fahne News wird auf dem Schwerpunkt zu Fridays for Future weitere Berichte veröffentlichen!