IWH-Studie

IWH-Studie

Niedriglohnsektor Ostdeutschland wird gerechtfertigt

Nicht zufällig wurde ab dem 4. März 2019 eine neue Studie des Leibnitz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) über die Lohnunterschiede Ost-West in den bürgerlichen Massenmedien lanciert.

Korrespondenz aus Dresden

2019 finden sowohl wichtige Landtagswahlen in Ostdeutschland als auch die Europawahlen statt. Die Belegschaften in Ostdeutschland, besonders in der Automobil-, Stahl-, und Zuliefererindustrie erwarten endlich eine Angleichung der Entgelt- und Arbeitsbedingungen.

 

Kern der Studie ist die Aussage, dass „ein ostdeutsches Unternehmen 20 Prozent weniger produktiv sei als eine vergleichbare Westfirma. Es produziere also bei gleicher Mitarbeiterzahl 20 Prozent weniger Produkte."¹

Manipulativer Zahlenvergleich

Dieser Unterschied ist aber vor allem das Ergebnis der Wirtschaftsstruktur in Ostdeutschland, in der wesentlich weniger Groß- und Riesenbetriebe als im Westen vertreten sind. Das drückt den Durchschnittswert der Arbeitsproduktivität nach unten, was von den Forschern manipulativ missbraucht wird, um das Märchen von der allgemein niedrigeren Arbeitsproduktivität ostdeutscher Unternehmen zu untermauern. Würde man die Unternehmen in Ost und West nach Betriebsgrößenklassen vergleichen, wäre kein nennenswerter Unterschied festzustellen.

 

In ihrem jüngsten Interview „Außergewöhnliche Zeiten zielstrebig nutzen“ sagt die Parteivorsitzende der MLPD, Gabi Fechtner, völlig zurecht: „Die Forderung der Unternehmerverbände, den Osten Deutschlands als 'Niedriglohnland' zu erhalten, wird erfüllt und - trotz zunehmender Proteste - die Angleichung von Löhnen und Sozialleistungen verweigert.“

Modernste Produktionsanlagen

Die Milliarden von Subventionen der Bundesregierung flossen in die Taschen der großen Monopole wie Siemens, Bosch, VW, Infineon, usw. - keineswegs in die Konservierung „überholter Arbeitsplätze“. Im Gegenteil, es wurden in der Auto-, chemischen und Halbleiterindustrie modernste Produktionsanlagen aufgebaut.

 

Dass die Einkommen der Infineon-Belegschaft in Dresden trotzdem 30 Prozent niedriger liegen als die in den West-Standorten, hat rein gar nichts mit der Produktivität zu tun!

Ostdeutsche Arbeiter wollen Lohnangleichung

Wer die Angleichung Ost- West wirklich will, muss dafür streiten, sich organisieren. Die Erwartungen und Kampfbereitschaft, im dreißigsten Jahr nach der Wende endlich diese Angleichung durchzusetzen und den Niedriglohnstatus abzuschaffen, sind hoch.

 

Nicht umsonst wollen uns die Unternehmerverbände mit solchen Studien weitere 30 Jahre an diesen Status knebeln. Auch deshalb erwarten Zehntausende Metallerinnen und Metaller in Ostdeutschland von ihrer IG Metall breite Kampfmaßnahmen.

 

Das Interview mit Gabi Fechtner kann hier gelesen werden