Rio de Janeiro

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Warum die Samba-Schule „Mangueira“ gewann

Der weltbekannte Karneval in Rio fand aktuell in einer brisanten politischen Situation statt.

Korrespondenz

Der Zeitpunkt ist wichtig: gelegen zwischen dem bereits stattgefundenen „Tag der Mobilisierung“ aller Gewerkschaften gegen die Zerschlagung des staatlichen Rentensystems im Februar mit unter anderem Streik bei Ford, und der geplanten landesweiten Mobilisierung für den Internationalen Frauentag. Somit war der Karneval sehr politisiert und polarisiert, wie schon lange nicht mehr. Und sehr emotional ...

Politische Anliegen eingebaut

Der reaktionäre Gouverneur von Rio kürzte im Vorfeld Subventionen für Karnevalsschulen und verstärkte Polizei und Militär. Diese nutzten einen Tumult am Rande des Umzug der Gruppe „Die Heiße Ludmilla“ von SexarbeiterInnen, Homo- und Transsexuellen aus, um ihn aufzulösen und schossen Gasgranaten in die Menge.¹

 

Das Motto der Sieger-Schule „Mangueira“ dieses Jahr war (un-)zweideutig: „Die Großen klein machen“! Die sonst üblichen Figuren der Geschichte Brasiliens, wie Sportler, Musiker, Kolonial-Eroberer, Künstler oder Politiker (die man auf die Schippe nahm), wurden durch Themenkostüme der Farbigen, Ureinwohner oder armer Leute ersetzt. Andere Sambaschulen hatten auch politische Anliegen eingebaut, so gegen Gewalt und Korruption.

"Kämpft wie Marielle"

Auch wenn die Kritik an dem kommerzialisiertem Karneval von Rio bleibt, die Basis der Samba-Schulen sind die kleinen Leute - von allem aus den Favelas. In ganz Rio spiegelt der Karneval also immer mehr oder weniger offen die aktuelle Lebenslage der einfachen Menschen wider und ihre politischen Belange. So war die Hauptfigur von „Mangueira“, die auf großen Fahnen und Transparenten gezeigt wurde, eine Ehrung der 2018 in Rio ermordeten Politikerin Marielle Franco, deren Witwe bei der Sambaschule führend mittanzte - bekleidet mit dem T-Shirt: „Kämpft wie Marielle“.

 

Die Zuschauer riefen dazu wie im Chor den Slogan: „Marielle? - Presente!“ Sie ist zum Idol aller geworden, die sich für Menschenrechte und gegen Rassismus und Faschismus einsetzen. Vor allem in der kämpferischen Frauenbewegung! Die Jury, die die Sieger unter den Samba-Schulen kürte, setzte damit auch ganz klar ein politisches Signal.²