Autoindustrie

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5.000 Bosch-Arbeiterinnen und -Arbeiter protestieren gegen Arbeitsplatzvernichtung

Gestern Vormittag, 13. März, demonstrierten bis zu 5.000 Kolleginnen und Kollegen verschiedener Bosch-Werke in Stuttgart Feuerbach vor dem Werkstor gegen die drohende massenhafte Vernichtung von Arbeitsplätzen.

Von wb / gp
5.000 Bosch-Arbeiterinnen und -Arbeiter protestieren gegen Arbeitsplatzvernichtung
Bosch-Kolleginnen und -Kollegen bei ihrem Protest - unübersehbar mittendrin: die MLPD mit der Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich (rf-foto)

Solidarisch unterstützt wurden die Bosch-Kolleginnen und -Kollegen von Delegationen aus Daimler-Werken und Feuerbacher Nachbarbetrieben. Aufgerufen hatten die IG Metall und der Gesamtbetriebsrat. Die Kolleginnen und Kollegen fürchten um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

Absatz von Diesel-Motoren sinkt

Aufgrund der kriminellen Abgasmanipulationen sinkt der Absatz an Dieselmotoren. Der Bosch-Konzern war von Anfang an Teil des kriminellen Abgaskartells zusammen mit VW, Audi, Daimler und BMW. Das verbindet sich mit den Auswirkungen des verschärften internationalen Konkurrenzkampfs sowie der beschleunigten Umstellung auf Elektroantriebe und Digitalisierung von Produktion, Handel, Kommunikation und Gesellschaft. Bosch nutzt wie die anderen Konzerne die technischen Umwälzungen, um seinen Profit weiter zu maximieren, und wälzt dazu die Folgen auf die Belegschaften ab.

 

Bosch hat weltweit 50.000 Kolleginnen und Kollegen im Diesel-Sektor beschäftigt, davon 15.000 in Deutschland. Aktuell stehen bei Bosch in Feuerbach rund 700 Jobs auf der Abschussliste. Die Stimmung der Leute war einerseits kämpferisch, aber auch nachdenklich: „Die 700 sind doch nur der Anfang, wenn wir jetzt still halten, dann kommt es nur noch schlimmer“, „Die Umstellung auf die E-Mobilität kommt, die können wir nicht aufhalten. Ob man da was machen kann?“

Auf die Regierung hoffen?

Beifall gab es für die Reden der Gewerkschafts- und Betriebsratsvertreter, wenn es um die Verteidigung der Arbeitsplätze ging und die Abgasmanipulation kritisiert wurde. Allerdings wurden auch Illusionen in die Regierung genährt, die "so wie im Bergbau für den Erhalt der Jobs" aktiv werden müsse. Dort hat die Regierung aber genau das Gegenteil gemacht und die Vernichtung Zehntausender Arbeitsplätze maßgeblich mit vorangetrieben.

 

Im Aufruf der Bergarbeiterbewegung „Kumpel für AUF“ zu einer Demonstration am 16. März in Essen heißt es deshalb: „Von wegen 'keiner fällt ins Bergfreie' und 'sozialverträglicher Arbeitsplatzabbau'. Hunderte, gerade jüngere Kumpels, die über Leiharbeitsfirmen wie START beschäftigt sind, Nichtanpassungsberechtigte, oder Kumpel von Fremdfirmen fliegen aus der Arbeitnehmerüberlassung von heute auf morgen raus. Viele, die noch bleiben, wissen bis heute nicht, wo und wie es für sie weitergeht.“

 

Nicht durch Hoffnungen auf die Regierung, sondern nur im Vertrauen auf die eigene Kraft können die Arbeitsplätze verteidigt werden. Das haben auch die Bergarbeiter mit ihrem großen Streik 1997 bewiesen.

Diskussion um 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich

Das Auftreten der MLPD und der „Freunde der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz“ auf der Kundgebung in Feuerbach war in dieser Situation sehr wichtig. Große Zustimmung gab es für die Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, die gut sichtbar auf einem Transparent zu sehen war.

 

Sie richtet sich gegen die Pläne der Konzernleitung, die Einführung der E-Mobilität für Arbeitsplatzvernichtung, steigende Arbeitshetze und weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit zu nützen. Die Forderung nach einem „konzernweiten Streiktag“ aller Bosch-Werke ist die richtige Antwort. Auch auf die Politik des Co-Managements der rechten Gewerkschaftsführung, die fordert, die Folgen der verschiedenen kapitalistischen Krisen „nicht einseitig auf die Beschäftigten“ abzuwälzen.

 

Das bedeutet nichts anderes, als vor deren Abwälzung auf die Beschäftigten zu kapitulieren, und das damit zu rechtfertigen, dass angeblich auch die Kapitalisten ihren "Beitrag" leisten müssten. Die profitieren aber von jeder Form der Abwälzung auf die Belegschaften. In dem Zusammenhang gab es breite Zustimmung dafür, dass die Verantwortlichen am kriminellen Abgasbetrug zur Rechenschaft gezogen werden müssen, statt die Autokäufer und Beschäftigten dafür "bezahlen" zu lassen.

Polarisierung in der Umweltfrage

Polarisiert ging es dagegen in der Umweltfrage zu. Noch sind eine ganze Reihe von Kolleginnen und Kollegen durch die manipulierte Medienkampagne zu den Grenzwerten und Messmethoden verunsichert und sehen ihre Arbeitsplätze durch Forderungen zum Umweltschutz und durch Umweltaktivisten gefährdet.

 

Die Arbeiterinnen und Arbeiter dürfen sich auf diese Spaltung nicht einlassen – es ist die Jagd nach Maximalprofiten der Konzerne, die sowohl die Lebensgrundlagen auf der Erde zerstört als auch die Arbeitsplätze vernichtet. Die Arbeiterklasse hat die Verantwortung, sich an die Spitze des Kampfs für die Rettung der Umwelt und den Erhalt der Arbeitsplätze zu stellen.

Angriffe auf alle Auto-Belegschaften

In den Gesprächen wurde deutlich, dass viele Kolleginnen und Kollegen spüren, dass sich über der Automobil- und Zulieferindustrie ein Gewittersturm zusammenbraut. So wurde am Morgen bekannt, dass der VW-Vorstand in den nächsten fünf Jahren mindestens weitere 7000 Arbeitsplätze vernichten will.

 

Für VW-Manager Ralf Brandstätter liegt das "Potenzial" für zu vernichtende Arbeitsplätze sogar bei rund 11.000 Jobs. Die Umsatzrendite genüge "nach wie vor nicht unseren Ansprüchen - vor allem nicht im Vergleich zum Wettbewerb", so Brandstätter. Bis 2022 soll sie auf 6 Prozent steigen. Um die Profitrate zu steigern, sollen jährlich weitere 5,9 Milliarden Euro aus den Kolleginnen und Kollegen herausgepresst werden.

 

Auch Daimler will nach der Entlassung von mindestens 2500 Leiharbeiterinnen und Leiharbeitern 2018 in diesem Jahr weitere 3000 mit Leiharbeitern besetzte Arbeitsplätze vernichten. Dagegen haben im Stammwerk Untertürkheim in Zusammenarbeit mit der MLPD und der Arbeiterplattform des Internationalistischen Bündnisses bereits verschiedene Kampfaktionen stattgefunden.

„Transformation“ oder Strukturkrisen?

Die IG Metall ruft für den 29. Juli  zu einer Großdemonstration für die „soziale und solidarische Gestaltung der Transformation“ in Berlin auf. Autovorstände, bürgerliche Politiker und IG Metall-Führung sprechen stets nur von „Transformation“ im Zusammenhang mit der Einführung von E-Mobilität und Digitalisierung. Laut Duden steht „Transformation“ für „umwandeln, umformen, umgestalten“.

 

Was da so harmlos und steuerbar daherkommt, hat es aber in sich. Im neuen Rote Fahne-Interview führt Gabi Fechtner, Parteivorsitzende der MLPD, dazu aus: "Allein durch die Umstellung auf Elektroantriebe in der bisherigen Produktion von Motoren und Getrieben in Deutschland können, nach bürgerlichen Schätzungen, bis zu 100000 Arbeitsplätze vernichtet werden. Hier bildet sich also ein für die Herrschenden 'gefährliches Gebräu' heraus: die Wechselwirkung der Strukturkrisen und einer sich anbahnenden Überproduktionskrise in Wechselwirkung mit politischen Krisen. Auch der Übergang in eine globale Umweltkatastrophe birgt enormes Krisenpotenzial."

Jetzt Mitglied in MLPD-Betriebsgruppen werden!

Es war deshalb genau richtig, bei der Demonstration in Stuttgart an dem Gefühl vieler Kolleginnen und Kollegen anzusetzen, dass uns der Kapitalismus keine Zukunft bieten kann. Viele der neuen Flyer zur Stärkung der MLPD „Ungewöhnliche Zeiten erfordern mutige Entscheidungen!“ fanden Abnehmer.

 

Auch bei den Boschlern gibt es entfaltete Auseinandersetzungen zwischen Hoffnungen auf individuelle Auswege und der Öffnung für eine revolutionäre, gesellschaftsverändernde Perspektive. Die MLPD-Betriebsgruppen fördern tatkräftig die wachsende gewerkschaftliche Aktivität, aber auch, dass gegebenenfalls der gewerkschaftliche Rahmen mit selbständigen Kämpfen durchbrochen wird. Sie helfen den Arbeiterinnen und Arbeitern bei der Entscheidung, selbst Verantwortung für den Kampf um den Sozialismus zu übernehmen und sich dafür in der MLPD zu organisieren.