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„20 Jahre GM haben uns nicht kleingekriegt – zwei Jahre PSA erst recht nicht"

„Wir haben uns 20 Jahre von GM nicht klein kriegen lassen, und lassen uns von PSA jetzt nicht in zwei Jahren klein kriegen !“ Dieser auf der Opel-Betriebsversammlung am 27. Februar in Rüsselsheim zitierte Satz eines Vertauensmanns traf gut die gesamte Stimmungslage der Kolleginnen und Kollegen!

Korrespondenz aus Rüsselsheim
„20 Jahre GM haben uns nicht kleingekriegt – zwei Jahre PSA erst recht nicht"
Kolleginnen und Kollegen von Opel Rüsselheim 2018 bei einer Demonstration durch die Stadt (rf-foto)

Schon vor Beginn der Betriebsversammlung bei Opel in Rüsselsheim sammelten einige IG-Metall-Kollegen in kurzer Zeit vor der Halle über 100 Unterschriften für den Erhalt der Lehrwerkstatt.

400 Kolleginnen und Kollegen standen entschlossen auf

Zuerst sprach der Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV). Er informierte, dass die Azubis, die im letzten Sommer ausgelernt und nur einen Ein-Jahres-Vertrag bekommen haben, nun nicht übernommen werden. Er bekam viel Applaus für die Forderung, dass sie übernommen werden müssen. Auf seine Aufforderung hin standen rund 400 Kolleginnen und Kollegen die das Unternehmen in den nächsten zwei Jahren verlassen müssen, in der Halle auf! Eine Provokation des neuen Opel-Personalchefs Ralph Wangemann war die Behauptung: „Es gibt keinen Bedarf für die unbefristete Übernahme“. Dafür bekam er mit einem Pfeifkonzert die passende Antwort.

Betriebsrat soll einen Maulkorb von PSA bekommen haben

Der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug sagte, PSA habe den Betriebsrat über konkrete Pläne informiert, aber es sei ihm verboten worden, die Belegschaft darüber zu informieren. Er versuche es durch die Blume zu sagen. PSA behaupte im Entwicklungszentrum (ITEZ) gäbe es Überkapazitäten von 2000 Beschäftigten. Der Betriebsrat komme aber nur auf Überkapazitäten von 600 Beschäftigten, aus dem Power Train Bereich (Motoren und Getriebe). Das könne über Altersteilzeit abgewickelt werden. Tatsächliche stecke hinter den 2000 der Plan, Entwicklungsaufträge in Billigländer outzusourcen. Wenn der französische Konzern Segula in Insolvenz gehe, würde kein Kündigungsschutz für die ehemaligen ITEZ Kollegen mehr greifen! Zu den Opel-Gewinnen sagte er, das sei zwar gut, aber Opel hätte weniger Autos verkauft, was auf die Dauer zu einem Problem wird.

Aussprache

Es gab dieses Mal eine Aussprache, wie es auch von Beginn an auf etlichen Pappschildern gefordert wurde. Einige Redebeiträge prangerten eine Palette brennender Themen an: von Massenmobbing gegen die Belegschaft; Personalgesprächen zur Einschüchterung von Azubis; dass die Kollegen die PSA-Konzepte sehen wollen; Erfahrung aus Bochum, dass dort die Schließung auch mit der Nichtübernahme der Azubis anfing; die Unterschriftensammlung für die Lehrwerkstatt wurde vorgestellt und die Unterstellungen angegriffen, „das sei nur eine MLPD Sache“; Kritik am Spagat der Reformisten zwischen Wirtschaftsinteressen und unseren Interessen; statt Abwarten einen Aktionstag vorbereiten; zum Erfolg der Audi-Arbeiter in Ungarn; zum 8. März; zur 30- Stunden-Woche….

 

Eine Kollegin aus dem ITEZ fasste die Versammlung so zusammen, dass Opel offensichtlich „abgewickelt“ werden soll und ob Opel-Chef Michael Lohscheller und Co dafür bezahlt würden? Es gab aber aus dem ITEZ auch andere Meinungen, statt sofort zu kämpfen, müsse erst geredet werden.

 

Aber es überwog klar: Das gemeinsame Interesse der gesamten Belegschaft und dass ein sofortiger Aktionstag eingefordert wird. Statt der oft üblichen antikommunistischen Hetze am Ende der Versammlung, sagte Schäfer-Klug nur kurz, dass für die Übernahme der Azubis Klagen vom Betriebsrat vorbereitet würden. Dass er als Betriebsrat handeln würde und wenn das nicht mehr möglich sei, die IG Metall - mit den Möglichkeiten die sie hat!

 

Also eine gute Möglichkeit die gewerkschaftliche Initiative für die Übernahme zu verstärken und sich gleichzeitig auf selbständige Initiativen einzustellen, wenn die gewerkschaftlichen "Möglichkeiten" ausgeschöpft sind.