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TWB-Protest: „Wir melden uns lautstark zu Wort“

„Prevent raus!“ und „Für Arbeitsplätze kämpfen wir, deshalb sind wir heute hier!“ - das riefen die knapp 200 Arbeiterinnen und Arbeiter des Hagener Autozulieferers TWB bei ihrer Demonstration gestern Nachmittag durch die Hagener Innenstadt.

Korrespondenz
TWB-Protest: „Wir melden uns lautstark zu Wort“
Protestaktion der TWB-Beschäftigten am 4. Februar (Foto: RF)

Mit dabei eine ganze Reihe von Frauen und Kindern der Kollegen. „Die Frauen gehören dazu und schließlich kämpfen wir auch für Zukunft unserer Kinder“  - so ein Arbeiter. Eine Botschaft, die auch in den Grußworten des Frauenverbands Courage und des REBELL an die Demonstranten rüberkam.

Solidarische Grüße - auch von der MLPD

320 Kollegen der insgesamt etwa 480 Beschäftigten von TBW sollen nach dem Spruch der Einigungsstelle gekündigt werden bzw. haben schon ihre Kündigung. Grund ist die Kündigung des Vertrags von VW mit Prevent, dem bosnischen Autozulieferer, dem auch TWB gehört. Die Demonstration und Kundgebung wurde von der Hagener Montagsdemonstration unterstützt.

 

Auf der Kundgebung sprachen Kollegen, Vertreter der MLPD, ein Betriebsrat eines Hohenlimburger Thyssenkrupp-Betriebes und ein ehemaliger Stahlarbeiter aus Dortmund. Sie überbrachten den Kollegen solidarische Grüße und die MLPD sagte zu, mit ihrem Know-how alle Schritte der Kollegen zu unterstützen, zu denen sie sich entscheiden.

"Transfergesellschaft nur Abschiebebahnhof"

„Was wird aus unseren Familien? Die Transfergesellschaft ist doch nur ein Abschiebebahnhof vor der Arbeitslosigkeit! Und die 160, die bleiben sollen, die haben doch keine Chance“, empören sich die Kollegen. Über die konkreten Forderungen gibt es noch heiße Diskussionen: „Haben wir überhaupt noch eine Möglichkeit, in sechs bis acht Wochen laufen die Aufträge für VW aus.“

 

Gerade das ist aber doch ein Trumpf, den die Kollegen ausspielen können, noch ist VW auf sie angewiesen. Viele wollen wenigstens eine Abfindung. Dazu ein Kollege: „Von einer Abfindung kannst du nicht leben, was wir brauchen, sind Arbeitsplätze! Das müssen wir in den Mittelpunkt stellen!“ Das Flugblatt der MLPD „Arbeitszeit im Fokus“ kommt gut an, vor allem die Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich.

Kritik an Gewerkschaftsfunktionär

Besonders sauer sind die Kollegen auch auf den örtlichen IG-Metall-Bevollmächtigten Jens Mütze. „Wir fühlen uns von ihm verraten. Zuerst hat uns einen Arbeitskampf versprochen, dann haben wir ihn nicht mehr gesehen.“ Deshalb machte die Demonstration auch vor dem DGB-Haus Halt. Die Kollegen - viele davon selbst IG-Metaller, die sich zum Teil in den letzten Wochen neu organisiert haben - wollten Antworten vom Bevollmächtigten.

 

Doch die Tür blieb verschlossen - ein Armutszeugnis für einen Gewerkschaftsfunktionär. Heute wollen die Kollegen auf der Belegschaftsversammlung diskutieren, über konkrete Forderungen und die nächsten Schritte in ihrem Kampf.