Wetterextreme

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Erst Hitzewelle in Deutschland - jetzt Schneechaos in Süddeutschland

Nach der monatelangen Hitze- und Dürrewelle im Sommer hält jetzt eine Schneekatastrophe Teile von Bayern und Österreich im Griff. Das ist nur ein scheinbarer Widerspruch zur bedrohlichen Erderwärmung aufgrund des unnatürlichen Treibhauseffekts.

Von ms
Erst Hitzewelle in Deutschland - jetzt Schneechaos in Süddeutschland
Lawinenabgang in den Alpen (Foto: Henk Monster)

In den bayerischen Alpen liegen derzeit auf 1.500 Metern Höhe zwischen anderthalb und zweieinhalb Meter Schnee. Im Fichtelgebirge sind es 30 Zentimeter, im Bayerischen Wald 70 Zentimeter. Schon jetzt stuft der Warndienst die Lawinengefahr für die Berchtesgadener Alpen als groß ein, das ist die zweithöchste von fünf Gefahrenstufen. Für den übrigen bayerischen Alpenraum gilt erhebliche Gefahr, also Warnstufe drei. Nicht allein oder allgemein die Schneehöhe ist dabei das Problem, sondern der Sprung von kein Schnee zu den Schneemassen.

 

In weiten Teilen Österreichs galt am Donnerstag noch die höchste Lawinenwarnstufe fünf. Aufgrund des vorübergehenden Nachlassens der Schneefälle hat sich die Gefahr etwas verringert. Massive Tiefausläufer bringen am Wochenende laut Deutschem Wetterdienst (DWD) jedoch erneut kräftigen Schneefall in den Alpenraum und den Bayerischen Wald. 

Mindestens 13 Todesopfer

"Das mag man sich nicht ausmalen, was da noch alles passieren kann", so Guido Wolz vom DWD in München. Nicht nur die Schneebruchgefahr in Höhenlagen werde extrem zunehmen, sondern auch die Gefahr durch Schneemassen auf Dächern. Mindestens 13 Menschen haben bisher schon durch einstürzende Bäume, Schneebruch, oder festgesteckt im Auto u. ä. ihr Leben verloren.

 

Dazu kommen jetzt schon erhebliche Einschränkungen für die Mobilität, Berufstätigkeit und das gesamte Leben der Menschen in den betroffenen Gebieten. Pendler aus Schongau und Bad Tölz erzählten: "Zuerst hatten wir größte Mühe, das Auto für die Fahrt zum Bahnhof freizukriegen. Dann erfahren wir: Der Zug fährt nicht. Wir fehlen zwar unverschuldet bei der Arbeit, aber das maximale Angebot ist bisher Nacharbeiten, keine Lohnfortzahlung."

 

Viele Straßen sind wegen der Schneemassen und umgestürzten Bäume gesperrt. An der Grenze zu Österreich sitzen deshalb Hunderte Menschen fest. In Süd- und Ostbayern war der Zugverkehr zeitweise eingestellt.

Katastrophenfall in mehreren Landkreisen Bayerns

Am Donnerstag riefen die Behörden für Teile des Landkreises Berchtesgadener Land, für den Landkreis Traunstein sowie für die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach und Garmisch-Partenkirchen den Katastrophenfall aus. Nicht selten sind es gerade durch die monatelange Sommerdürre angeschlagene Bäume, die jetzt unter der Schneelast zusammenbrechen.

 

So groß zunächst die Freude über die Winterpracht nach zunehmend schneelosen Wintern, wächst inzwischen bei vielen Menschen die Sorge. In der Diskussion sind auch die Zusammenhänge zum beschleunigten Übergang in eine globale Klimakatastrophe - auch wenn die nicht auf der Hand liegen.

Im Sommer führen diese Niederschläge zu Hochwasser, im Winter zu intensiven Schneefällen

Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erklärt diesen Zusammenhang so: „Die Atmosphäre ist wärmer geworden, deshalb gibt es mehr Feuchtigkeit.“ Die Klimaveränderungen verketten sich mit dem sogenannten Gebirgseffekt. "Wir haben gerade eine massive Nord-Anströmung, die über die Nordsee geht, die noch relativ milde Temperaturen für die Jahreszeit hat - da ist das Potenzial für Feuchtigkeit da. ... Diese Windströmung läuft genau gegen die Mittelgebirge und gegen die Alpen."

 

Der Gebirgseffekt verstärkt solche Ereignisse nach Einschätzung des Wissenschaftlers. "Man hat quasi Stauniederschläge an der Vorderseite der Gebirge", sagte Hoffmann. "Im Sommer führen diese Niederschläge zu Hochwasser, im Winter zu intensiven Schneefällen. Der Schnee fällt auch nicht bei tief frostigen Temperaturen, dann hat man eher nassen Schnee." Dazu komme noch das Wechselspiel zwischen Frost und Tau. "Dann wird die Schneelast noch stärker."1

Destabilisierung der Jetstreams

Im Buch "Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?" werden tieferliegende Ursachen der zunehmenden Extremwetterereignisse in Veränderungen globaler Luftströmungssysteme aufgedeckt: "Die überdurchschnittliche und rasche Erwärmung der Arktis um 2 Grad Celsius seit 1980 beginnt den Jetwindgürtel auf der Nordhalbkugel zu destabilisieren. Dadurch verändern sich die Wege polarer Tiefdruck- und subtropischer Hochdrucksysteme. Als Folge werden Regionen für längere Zeit in eine Kältefalle eingeschlossen, während dicht daneben subtropische feuchte und warme Luftmassen nach Norden vorstoßen." (S. 128)

 

Das unterstreicht, wie notwendig es ist, wirksame Sofortmaßnahmen gegen den zunehmenden Ausstoß klimaschädlicher Gase durch Industrie, Kraftwerke und Autoverkehr zu erkämpfen. Solche Erfahrungen wie jetzt in Bayern müssen verarbeitet werden mit der Aufklärung über die tieferen Ursachen in der systemimmanenten Umweltzerstörung im Kapitalismus und der Diskussion von Schlussfolgerungen für einen gesamtgesellschaftlichen Paradigmenwechsel im echten Sozialismus. Kapitalismus-Kritik ist gut, reicht aber nicht aus. Nur organisiert zum Beispiel in der Umweltgewerkschaft kann Veränderung erkämpft werden. Dazu müssen die Zusammenhänge verstanden werden und eine gesellschaftsverändernde Umweltbewegung entstehen. Dafür steht konsequent die MLPD, als Partei für radikalen Umweltschutz.

Bundeswehreinsätze - wozu?

Abzulehnen ist, wie im Windschatten einer sich anbahnenden regionalen Umweltkatastrophe die Bundeswehr als "Helfer in der Not" verkauft werden soll. Ihre Einsätze im Katastrophengebiet wurden in den letzten Tagen stetig ausgeweitet.

 

Dabei geht es nicht darum, den rund 300 im Einsatz befindlichen Soldatinnen und Soldaten ehrliche Hilfsbereitschaft abzusprechen. Mit der größten Selbstverständlichkeit wird jedoch so getan, als ob ihre Tätigkeit - wie Versorgung eingeschlossener Menschen, Schneeräumung von Dächern, Transporte mit Kettenfahrzeugen - nur von Armeeangehörigen mit entsprechender Ausrüstung zu leisten wäre.

Überwältigende Hilfsbereitschaft

Dabei ist ein Vielfaches an professionellen und ehrenamtlichen Helfern seit Tagen im Einsatz, um genau diese Dienste zu leisten, ohne dass irgendjemand nach der Bundeswehr gerufen hätte. Abgesehen von reaktionären bürgerlichen Politikern, die den willkommenen Anlass für eine weitere Militarisierung der Gesellschaft, für die Gewöhnung der Menschen an Bundeswehreinsätze im Inneren liefern.

 

Überwältigend dagegen die Hilfsbereitschaft und Solidarität unter der Masse der Bevölkerung: "Hier helfen alle zusammen", sagte eine Frau aus Schongau in Bayern. "Freiwillige räumen in 12-Stunden-Schichten Dächer vom Schnee frei, sonst wäre noch viel mehr passiert."