Bottrop

Demokratische Rechte? Nicht mein Problem, oder doch?

Am vergangenen Freitag verteilten wir das aktuelle Flugblatt der MLPD vor der Zeche Prosper in Bottrop. Die Reaktionen waren unterschiedlich.

Korrespondenz aus Bottrop

Obwohl dort bereits vor einer Woche verteilt wurde, fanden sich knapp 50 Kumpel, die noch nichts von den Vorgängen rund um das Rebellische Musikfestival gehört hatten. Wie dort Teile des Staatsapparats versuchten, die MLPD zu kriminalisieren. Oder gar ihren ehemaligen Vorsitzenden, Stefan Engel, und weitere Genossen zu "Gefährdern" abzustempeln. (Hier das Flugblatt lesen). Entsprechend groß war das - teilweise erstaunte - Interesse und die Empörung bei einzelnen.

 

Die Bergleute haben sich in ihren vergangenen Kämpfen immer wieder demokratische Rechte und Freiheiten genommen, auch wenn sie nicht im Gesetzbuch stehen: Straßenblockaden, Streiks, Besetzungen, Verletzung der Bannmeile ...

 

Aber inzwischen gibt es viele Leiharbeiter auf der Zeche und Bergleute, die die großen Kämpfe 1997 nicht miterlebt haben. Unter ihnen gab es auch zurückhaltende Reaktionen auf das Flugblatt. Nach dem Motto: "Was geht mich das an, wenn demokratische Rechte und Freiheiten abgebaut werden?"

 

Einige kamen ins Nachdenken, wenn wir fragten, ob sie sich vorstellen können, einmal für ihre Arbeitsplätze zu streiken und zu demonstrieren, oder für höhere Löhne oder politische Fragen. Ob es da nicht relevant wäre, ob die Meinungs-, die Versammlungs- und die Demonstrationsfreiheit weiter eingeschränkt werden? Mehrere nahmen dann doch ein Flugblatt mit. Nicht für jeden liegt gleich auf der Hand, wie die derzeit laufende Faschisierung des Staatsapparats sehr schnell und auch sehr unmittelbar sie persönlich betreffen kann.

 

Ganz davon abgesehen, dass für einige dieser Rechte gerade die Bergarbeiter im letzten Jahrhundert viel gekämpft haben und nicht wenige ihr Leben ließen - in der Novemberrevolution 1918 oder den Märzkämpfen 1920.