Atomkraft

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Fukushima-Jahrestag mahnt: Rettet die Umwelt vor der Profitwirtschaft!

Heute vor sieben Jahren führte ein Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami in Japan zur bisher schwersten Katastrophe in der zivilen Nutzung der Kernenergie.

Von gb
Fukushima-Jahrestag mahnt: Rettet die Umwelt vor der Profitwirtschaft!
Riesige Halden von "Big Bags" mit radioaktiv verseuchtem Material - 147.000 dieser improvisierten Zwischenlager gibt es. (Foto: ausgestrahlt)

Die Atomkatastrophe dauert an – mit schwerwiegenden Folgen

In der von 2153 Ärzten unterzeichneten Erklärung der IPPNW (Internationale Ärzte zur Verhinderung des Atomkriegs) zum Fukushima-Jahrestag heißt es: „In Fukushima ereignete sich im März 2011 der Super-GAU mit Kernschmelzen in mehreren Reaktoren. In der Nähe der Schmelzmassen wird nach wie vor extrem hohe Radioaktivität gemessen. Die Atomkatastrophen in Fukushima und Tschernobyl dauern an - mit schwerwiegenden Folgen für Mensch und Natur.“ 1

 

Die folgenschwerste Atomkatastrophe seit Tschernobyl 1986 verseuchte nicht nur die Umgebung, sondern führte zu erhöhten Kontaminationen in ganz Japan und weltweit. Die Kernschmelzen in mehreren Reaktoren der Anlage laufen weiter unkontrolliert ab, das ist die eigentliche Gefahr.

 

Jeden Tag fließen 300 Tonnen radioaktiv verseuchten Kühlwassers in den Pazifik. Todesfälle und Erkrankungen unter den Arbeitern auf dem Kraftwerksgelände werden von der japanischen Regierung und dem Betreiberkonzern TEPCO systematisch vertuscht. Der Abriss der völlig zerstörten Reaktoren soll noch etwa 40 Jahre dauern. Die nachgewiesene Strahlenexposition der Bevölkerung lässt 22000 bis 66000 zusätzliche Krebsfälle erwarten - bei der Hälfte mit mit tödlichem Ausgang.2 Bereits jetzt kommt es unter Kindern zu einer 26-fachen Häufung von Schilddrüsenkrebs.3

Menschen werden zur Rückkehr gezwungen

Die japanische Regierung will die 200.000 Menschen, die wegen der massiven Verstrahlung im Umkreis der Atomruinen evakuiert werden mussten, zur Rückkehr zwingen. Als Druckmittel dient, den Flüchtlingen die bisherige finanzielle Unterstützung zu entziehen, und Notunterkünfte zu schließen. Dafür werden die Strahlen-Messungen manipuliert.

 

Ruiko Muto, eine Mitorganisatorin der Evakuierteninitiative Hidanren, schreibt anlässlich des Fukushima-Jahrestags: "Es kommt zu schweren Menschenrechtsverletzungen. Die gegenwärtig verfolgte Rückkehrpolitik bedeutet keinesfalls, dass man eingeladen ist, an dekontaminierte, wieder in den ursprünglichen Zustand versetzte, sichere Orte zurückzukehren. Vielmehr wird man gezwungen, in Gegenden mit einer Jahresdosis von bis zu 20 MilliSievert zu leben, und so das Zwanzigfache der vor dem Unfall zulässigen Jahresdosis einfach hinzunehmen. An Erholung oder andere Strahlenschutzmaßnahmen nach der Rückkehr ist nicht gedacht, vielmehr werden nach Aufhebung der Evakuierungsanordnungen Entschädigungszahlungen für seelische Schäden oder die Wohnungsbeihilfe am Evakuierungsort einfach eingestellt, auch wenn man nicht zurückkehrt. So geraten manche mit einem Schlag in Not und Bedrängnis und kehren zurück, obwohl sie das nicht wollen, andere werden obdachlos oder nehmen sich sogar das Leben."

 

Bei den olympischen Sommerspielen 2020 in Japan sollen einzelne Wettkämpfe auch in Fukushima stattfinden und der Weltöffentlichkeit suggerieren, alles sei jetzt überstanden. Denn die japanischen Imperialisten wollen an dem Milliardengeschäft Atomindustrie festhalten und planen den Neubau von neun Reaktoren. Weltweit sind es über 150 geplante AKW-Neubauten, davon ebenfalls zahlreiche in Erdbeben-Gebieten.

Aktiver Widerstand zur sofortigen Stilllegung aller Atomanlagen – weltweit!

Der 11. März ist aber nicht nur ein Jahrestag der nuklearen Katastrophe, sondern ebenso des internationalen Massenwiderstands. Die Massenproteste in Japan erzwangen damals die Abschaltung aller 52 japanischen AKWs. In Deutschland gingen 2 Millionen Menschen auf die Straße. Die MLPD war die erste Organisation in Deutschland, die sofort mit einem Massenflugblatt aufklärte, die ungeheure Gefahr richtig qualifizierte und zum Massenprotest aufrief. Ihre Forderung nach der sofortigen Stilllegung aller Atomanlagen weltweit wurde zur Massenlosung.

 

Die revolutionäre Weltorganisation ICOR führte zusammen mit der ILPS eine internationale Unterschriftensammlung für ein Manifest zur Abschaltung aller Atomanlagen durch. Im Buch „Katastrophenalarm – was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?“ von Stefan Engel wird der Nachweis geführt, dass Atomkraft nicht beherrschbar ist. Das Buch warnt: „Zu den schwerwiegendsten gesellschaftlichen Folgen der Nutzung der Atomenergie gehören die riesige und stets wachsende Menge atomaren Abfalls und das völlig ungeklärte Problem seiner Lagerung. Bis heute gibt es nirgendwo ein auch nur annähernd akzeptables Modell, was mit dem giftigen Abfall passieren soll, der noch Millionen Jahre strahlen wird. Seit 1950 haben sich weltweit circa 300.000 Tonnen hochstrahlenden Abfalls angesammelt. Jährlich kommen etwa 12 000 Tonnen hinzu und ein Mehrfaches an schwach- und mittelaktivem Abfall.“ 4

Von einem wirklichen Atomausstieg kann nicht die Rede sein

Der Massenprotest hierzulande erreichte, dass Stück für Stück die Atomkraftwerke in Deutschland geschlossen werden. Den Rückbau wollen sich die Energiekonzerne von der ganzen Gesellschaft bezahlen lassen. Außerdem machen sie weiter Höchstprofite mit AKWs im europäischen Ausland. Zwischenlager und Atomtransporte durch Wohngebiete sind eine ständige Bedrohung. Zurecht kritisieren die IPPNW: „Die Betreiberfirma TEPCO gehörte zu den Kunden der URENCO-Urananreicherungsanlage in Gronau und der AREVA-Brennelementefabrik in Lingen. Dort wird trotz des Atomausstiegs weiterhin atomarer Brennstoff produziert und gut daran verdient ...  Urenco liefert auch angereichertes Uran für das US-Atombombenprogramm!"

Gesellschaftsverändernder Umweltkampf notwendig

Die drohende atomare Verseuchung ist nur einer von neun hauptsächlichen Faktoren des Übergangs in die globale Umweltkatastrophe. Wenn der Ministerpräsident von NRW, Armin Laschet, der belgischen Regierung die Stilllegung der Schrott-Reaktoren in Tihange und Doel mit Strom aus rheinischer Braunkohle schmackhaft machen will, dann wird deutlich, dass man die Atomfrage nicht aus der Gesamtheit der Umweltfrage herausbrechen kann. So setzt ein Braunkohle-Kraftwerk im Normalbetrieb noch mehr Radioaktivität frei wie ein durchschnittliches AKW, wegen des hohen Gehalts an radioaktiven Mineralien, die aus der Tiefe der Erde geförderter Braunkohle beigemengt sind. Braunkohleverstromung zerstört ganze Landschaften, setzt hohe Mengen Umweltgifte und Treibhausgase frei. Soll das also die Alternative sein: Untergang in der Klimakatastrophe oder in der Atomkatastrophe? Pest oder Cholera?

 

Eine internationale Widerstandsfront kann die Schließung der Atomkraftwerke erzwingen. Zur Rettung der Umwelt vor der Profitwirtschaft muss ein gesellschaftsverändernder Kampf geführt werden, der Kampf für die revolutionäre Überwindung des Kapitalismus und den Aufbau des Sozialismus. Stärkt die MLPD und ihre Umweltgruppen!