Karneval

Berliner Chaostage bringen selbst Narren zum Staunen

Da kommt auch ein versierter Wagenbauer wie der Düsseldorfer Künstler Jaques Tilly ins Schwitzen. Kurz vor den traditionellen Rosenmontagszügen hat sich die politische Krise rund um die längste Regierungsbildung in der Bundesrepublik noch einmal entfaltet.

Von Landesleitung NRW der MLPD
Berliner Chaostage bringen selbst Narren zum Staunen
Martin Schulz dreht - im wahrsten Sinne des Wortes - durch; Motivwagen von Jacques Tilly aus Düsseldorf (Karneval-in-Düsseldorf.de)

So findet sich Martin Schulz, vor etwas mehr als einem Jahr als Heilsbringer der SPD in die Wahlkämpfe des Jahres 2017 gestartet, heute im Mainzer Karnevalszug als Rohrkrepierer der SPD wieder.

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Von der "Mama" zur Schwarzen Witwe - Angela Merkel - ebenfalls in Düsselorf gesehen (Karneval-in-Düsseldorf.de)

In Kürze

  • Chaos der Monopolparteien Steilvorlage für die Rosenmontagszüge
  • Im Spott der Wagen zeigt sich auch die Empörung der Massen über die abgewirtschafteten Monopolpolitiker
  • Weit über eine Million Menschen feiern ausgelassen in den Straßen

Der Düsseldorfer Wagenmeister Tilly legt noch eine Schippe drauf. Noch in der Nacht zum Rosenmontag werden Wagen neu entwickelt. Über dem Spruch "Selber Schulz" sieht man einen Martin Schulz, der sich selbst durch den Fleischwolf dreht.

 

Ein erst knapp vor dem Zug fertiggestellter Wagen zeigt eine triumphierende Andrea Nahles, die Boxhandschuhe "Fresse" und "Bätsch" rechts und links an den Händen und den Spruch "Genossen, das ENDE ist NAHles!" auf dem T-Shirt. Die Berliner Chaostage übertreffen jede politische Karikatur und fordern die Macher der Motivwagen zu Höchstleistungen heraus.

Witzige Motivwagen, wenig Kritik am Rechtsruck

Innenpolitik ist der Schwerpunkt der diesjährigen politischen Rosenmontagsmotive, aber viele Wagen arbeiten sich recht vordergründig an den grellen Personalfragen ab. Dass die große Koalition mit ihrem Vertragswerk nach rechts rückt - vor allem innen-, umwelt- und außenpolitisch - wird wenig thematisiert. Der Abschied von den bescheidensten Klimazielen ist ebensowenig Thema wie das Schweigen zu Erdogans Angriffskrieg in Syrien. Überhaupt wird der Krieg gegen die kurdische Bevölkerung in der Türkei und Syrien nicht kritisiert.

 

Mit dem Wagen "Schweinepolka" nehmen die Kölner Narren den gesellschaftlich bedingten Sexismus und sexuelle Übergriffe in der Gesellschaft sowie der Kulturindustrie wie in Hollywood aufs Korn. Die Mainzer und die Düsseldorfer befassen sich mit dem Abgas- und Dieselskandal der Autokonzerne und besonders VW. Auf einem Mainzer Karnevalswagen fordern AfD-Gartenzwerge den "totalen Zwerg". Deutlicher noch ist der Düsseldorfer Wagen zur AfD, wo ein Alexander Gauland als Pleitegeier dargestellt wird, mit einem riesigen braunen rechten Flügel und dem Spruch: "Wir sind doch keine Nazis!"

Chaospolitiker bekommen nichts mehr gebacken

Natürlich darf auch Donald Trump bei keinem Zug fehlen, entweder als Klimakiller oder im Raketenwettmessen mit Nordkoreas Kim Il Sung. Das Bienensterben ist ebenso Thema wie die Entlassungen bei Air Berlin und die Übernahme durch die Lufthansa. In Düsseldorf thront Bundeskanzlerin Angela Merkel als riesige Spinne (Schwarze Witwe) über den Schädeln von Stoiber, Steinmeier, Steinbrück, Merz, Rösler und anderen. Es sind lustige und bissige Rosenmontagswagen. Aber mit der einseitigen Betonung der Personalquerelen bleiben sie doch auch ganz schön an der Oberfläche.

 

Der Laune einer Million feiernder Narren in Köln, mehreren Hunderttausenden in Mainz und Düsseldorf, tut das keinen Abbruch. "Jeck ers recht", lautet das Düsseldorfer Motto und bringt das ganz gut auf den Punkt. Wer Interesse an beißendem Spott hat, ohne auf den nötigen Tiefgang verzichten zu wollen, für den bleibt der Politische Aschermittwoch der MLPD in Berlin, München, Stuttgart und Gelsenkirchen erste Wahl.

AUF mischt im Gelsenkirchener Zug mit

In Gelsenkirchen läuft auch in diesem Jahr der Rosenmontagszug durch den Stadtteil Erle. Wie immer als Fußgruppe mit dabei - obwohl offiziell von der Zugleitung „unerwünscht“ - das überparteiliche Kommunalwahlbündnis AUF Gelsenkirchen. Das Motto der tollen Truppe in diesem Jahr: „AUF zur GroKo-Horrorshow“. Dabei: Angela Merkel im Rollstuhl, die vom Arzt des Finanzkapitals gerade noch so am Leben erhalten wird. Wie in den letzten Jahren wird die Fußgruppe sicher auch diesmal wieder viel Aufmerksamkeit und Applaus bekommen. Wir wünschen noch einen schönen Rosenmontag!