Afrîn

Zehntausende protestieren in Köln gegen Erdogans Syrien-Invasion

Bis zu 50.000 Menschen haben heute friedlich in Köln gegen den Angriff des faschistischen Erdogan-Regimes auf die kurdische Region Afrîn in Nordsyrien demonstriert. Sie waren aus ganz Deutschland und zum Teil aus den Nachbarländern angereist. Die Polizei ging brutal vor.

Von rog
Zehntausende protestieren in Köln gegen Erdogans Syrien-Invasion
Zehntausende - darunter auch viele türkische Arbeiterinnen und Arbeiter - demonstrieren gegen Erdogans Syrien-Invasion

Schon am frühen Morgen hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) ein extrem undemokratisches Vorgehen seiner Polizei angekündigt. Schon kleine Fahnen mit dem Bild des inhaftierten PKK-Vorsitzenden Abdullah Öcalan nahm dann die Polizei zum Vorwand, immer wieder die Demonstration zu stoppen. Was ist das für eine Demokratie, wo das Zeigen eines Bildes zur Straftat erklärt wird, die Polizeiübergriffe bis hin zu Wasserwerfereinsatz rechtfertigen!

 

Die NRW-Regierung passt sich damit voll in die Politik der Bundesregierung ein, die die Invasion in der Demokratischen Föderation Nordsyrien stillschweigend unterstützt. Immer wieder tönten auch Rufe "Deutsche Waffen, deutsches Geld, morden mit in aller Welt!" über den Zug. Damit kritisieren die Demonstranten die deutschen Waffenlieferungen an die Türkei. Immerhin nehmen auch in Deutschland produzierte Leopard-II-Panzern an der völkerrechtswidrigen türkischen Invasion teil. Außerdem in der Kritik: die finanzielle Unterstützung der Bundesregierung und EU für die Türkei.

Deutsche und migrantische Arbeiter haben die gleichen Interessen

Kämpferische Musik, Gesänge, Parolen und ein Meer an Fahnen prägen die Demonstration. Am offenen Mikro der MLPD und des Internationalistischen Bündnisses sprechen fast ohne Unterbrechung Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu den Menschen. Unter anderem eine Ford-Arbeiterin aus Köln und Kollegen von Daimler aus Düsseldorf: „Es müssen sich noch mehr Menschen, die in Deutschland leben, an den Protesten beteiligen.“ „Die deutsche Regierung paktierte mit der Türkei, sie duldet den Angriff auf Afrin.“ „Wir fordern den sofortigen Abbruch der Beziehungen zur faschistischen türkischen Regierung.“

 

Jubel brandet auf, als IG Metall-Gewerkschafter berichten, dass heute 24-Stunden-Streiks in der Tarifrunde beschlossen wurden. "Deutsche und migrantische Arbeiter haben die gleichen Interessen", so ein Redner. "Sowohl in den betrieblichen Kämpfen, wie im Widerstand gegen imperialistische Kriege."


Die Demonstranten ließen sich von den Schikanen der Polizei nicht provozieren, die die Demo kurz nach dem Start stoppte, weil angeblich verbotene Fahnen mitgeführt wurden. Eineinhalb Stunden war kein Vorankommen mehr. Am offenen Mikrophon sprachen für die MLPD Horst Dotten und Ernst Herbert. Aber auch Vertreterinnen und Vertreter der Migrantenorganisationen DIDF, ATIF und AGIF sowie der PYD-Jugend.

 

Die PYD ist die Partei der Demokratischen Union und eine führende Kraft in Nordsyrien. Auch ein Vertreter iranischer Kommunisten überbrachte seine Solidarität. Immer wieder sprachen Vertreterinnen und Vertreter der Nav-Dem. Sie bedankten sich für die Teilnahme des Lautsprecherwagens von MLPD und Internationalistischem Bündnis. Nav-Dem, das Demokratische Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland, hatte zu der heutigen Demonstration aufgerufen.

Von wegen Öcalan-Fahnen konfisziert: Reuters dokumentiert, was die Polizei wirklich beschlagnahmt hat: Erdogan-Kritik
Von wegen Öcalan-Fahnen konfisziert: Reuters dokumentiert, was die Polizei wirklich beschlagnahmt hat: Erdogan-Kritik

Die nächste Gelegenheit, Solidarität zu demonstrieren:

  • Ruhrgebietsweite Montagsdemo zur Solidarität mit dem nordsyrischen Afrîn
  • Am kommenden Montag, 29. Januar, in der Gelsenkirchener Innenstadt
  • Ab 17:30 Uhr auf dem Platz der Montagsdemo (Preuteplatz)

Telefonbericht

Ein Teilnehmer berichtet telefonisch: "Etwa auf der halben Strecke kesselte die Polizei die Spitze des Zuges ein. Die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer blieben so lange stehen, bis klar war, dass die Demonstranten an der Spitze wieder frei gekommen waren. Dann machte der Demozug nach einer Zwischenkundgebung kehrt. Eine Auflösung kommt nicht in Frage. Im Moment geht er wieder zurück zum Ebertplatz, um dort wie geplant die Abschlusskundgebung durchzuführen. Wir lassen uns auch nicht weiter provozieren, auch nicht von türkischen und anderen Faschisten, die einige Teilnehmer gerade attackierten. Wir bleiben friedlich und lassen uns nicht kriminalisieren. Gerade sind wir von Polizei umstellt, die eine Auflösung erzwingen will."

 

Die Redner der MLPD prangerten das imperialistische Komplott an. "Die deutsche Regierung ist eine der engsten Verbündeten des Erdogan-Regimes. Kurdische und türkische revolutionäre Organisationen werden von der Bundesregierung in Deutschland kriminalisiert und verfolgt. Die Bundesregierung heuchelt Eintreten für Humanität und Frieden und betreibt imperialistische und reaktionäre Politik", heißt es in der Erklärung der MLPD, die heute tausendfach auf der Demonstration verteilt wurde.

Intensive Diskussionen über den Imperialismus

Intensiv wurde über zum Teil vorhandene Illusionen einer friedlichen Ausbreitung von demokratischer Autonomie diskutiert. Keine imperialistische Macht ist und war je ehrlicher Verbündeter gerechter Befreiungskämpfe. Die MLPD verbreitete in verschiedenen Sprachen ihre aktuelle Broschüre über die neuimperialistischen Länder - darunter die Türkei - und eine neue Qualität der Krisenhaftigkeit des imperialistischen Weltsystem. "Besonders gut ließ sich die Broschüre verkaufen, weil sie eine Analyse vorlegt, warum die Türkei heute so aggressiv vorgeht", berichtet eine Korrespondentin. "Ich habe keinen Gesamtüberblick, aber ich habe selbst viele verkauft und auch andere gesehen. Wir haben außerdem viele Programme der MLPD verbreitet und Adressen bekommen, von Leuten die in der MLPD mitmachen wollen." Ein anderer berichtet, dass sich viele in die Listen des Internationalistischen Bündnisses eingetragen haben.

 

Den ganzen Tag gab es vielsprachige und intensive Diskussionen unter den Teilnehmern über die Notwendigkeit des engen Zusammenschlusses und auch darum, sich im Internationalistischen Bündnis, in der MLPD oder dem Jugendverband REBELL zu organisieren. Zahlreiche neue Kontakte wurden gewonnen. Außer den Fahnen kurdischer Organisationen waren Fahnen der MLPD, des REBELL und der Linkspartei zu sehen. Viel Aufmerksamkeit zogen auch hunderte Luftballons in den kurdischen Farben, grün, gelb und rot auf sich, die sich in den sonnigen Himmel erhoben.

Es handelte sich um eine gezielte Provokation - die Polizei versuchte, einen Eklat herbeizuführen

Roland Meister, Rechtsanwalt vor Ort

Gegen 16.15 Uhr wurde über das offene Mikro bekannt gegeben, dass die Demo von der Demo-Leitung beendet wurde und sich alle geordnet entfernen sollen. Die Teilnehmer sind stolz auf ihre kämpferische und beeindruckende Demonstration.

 

Zuvor hatte allerdings die Polizei die friedliche Demonstration aufgelöst und ging gegen eine spontane Kundgebung vor, die gegen die Auflösung und Polizeischikanen protestieren wollte. Zu diesen Schikanen gehört auch, dass bereits im Vorfeld Busse und Züge aufgehalten wurden und so Tausende Teilnehmer von der Demo fern gehalten wurden. Rechtsanwalt Roland Meister (MLPD) berichtet, dass die Polizei den ganzen Tag gezielt versucht hat, mit Provokationen einen Eklat herbeizuführen.  

Auf der ganzen Welt finden und fanden heute solche Demonstrationen statt - mit den gleichen Fahnen und Transparenten. Die NRW-Landesregierung - sicher mit Rückendeckung des Bundesinnenminsteriums - spielte heute eine Vorreiterrolle in der Unterdrückung der Solidaritätsbewegung mit Rojava und aller fortschrittlichen und revolutionären Menschen.