Stahl

"Dem können wir nicht zustimmen!"

Seit Frühjahr 2017 wehren sich Europas Stahlbelegschaften gegen die geplante Fusion von thyssenkrupp Steel Europe (tkSE) mit dem indischen Tata-Konzern und den entsprechenden Folgen in Form von Arbeitsplatzvernichtung und Werksschließungen. Die Kollegenzeitung "Stahlkocher - Zeitung von Kollegen für Kollegen" hat anlässlich der anstehenden Abstimmung unter den Belegschaften bei thyssenkruppsteel über den kommenden Tarifvertrag heute dazu einen Aufruf veröffentlicht:

Von Kollegenzeitung "Stahlkocher"
"Dem können wir nicht zustimmen!"
Die Kollegen beim Stahlaktionstag in Bochum 2017 (rf-foto)

Mit viel beachteten Aktionstagen im Mai und September mit 7.000 beteiligten Stahlarbeitern in Bochum (siehe Rote Fahne News); 8.000 beteiligten Stahlarbeitern in Andernach (siehe Rote Fahne News) und 3.000 beteiligten Stahlarbeitern in Ijmuiden (Niederlande) (siehe Rote Fahne News), Mahnwachen, Demonstrationen und auch Streiks in einzelnen Werksteilen  (siehe Rote Fahne News) mobilisierten die Kolleginnen und Kollegen gegen die Pläne, Europas Stahlindustrie neu zu ordnen. Jetzt hat die IG-Metall-Spitze einen Tarifvertrag mit tkSE ausgehandelt. Ab Morgen wird darüber abgestimmt. Aber viele sind nicht einverstanden. Dazu schreibt der Stahlkocher, der heute morgen an vielen Werkstoren verteilt wurde:

 

Der Vorstand von thyssenkrupp ist mächtig unter Druck, alle Versuche sind gescheitert, uns für die Fusionspläne mit Tata zu überzeugen. Die wenigsten Kollegen glauben daran, dass dies unsere Zukunft sichert. Wie denn auch, wenn 4.000 Arbeitsplätze für immer verschwinden sollen und Standortschließungen ab 2021 möglich sind? Daran ändert auch der Tarifvertrag nichts.

Auch Tata-Kollegen lehnen die Vernichtung der Arbeitsplätze ab

Auch die Tata-Kollegen lehnen die Vernichtung von Arbeitsplätzen ab. Zu ihrem Aktionstag am 20. Dezember wurde ein Bus mit Kollegen von tkSE Duisburg von den 2.500 Stahlarbeitern freudig begrüßt. Es gab großen Beifall, dass wir gemeinsam gegen die Fusionspläne unserer Vorstände kämpfen müssen und zwar um jeden Arbeitsplatz. Egal ob in Deutschland, England, den Niederlanden oder in Indien. Hinter jedem Arbeitsplatz stecken eine Arbeiterfamilie und weitere Arbeitsplätze. JA zum internationalen gemeinsamen Kampf, als logische und notwendige Konsequenz!

 

Kämpferische Kundgebung gegen die Fusion (rf-foto)
Kämpferische Kundgebung gegen die Fusion (rf-foto)

In Kürze

  • Die Führungen von thyssenkrupp und Tata wollen Ruhe, um ihre Fusionspläne durchzusetzen
  • Der Tarifvertrag, über den jetzt abgestimmt werden soll, soll einen Streik verhindern
  • Kolleginnen und Kollegen sagen: Nein zu diesem Tarifvertrag

Genau das wollen die Vorstände vermeiden und die Fusion und ihre Folgen auf unseren Rücken abwälzen. Thyssenkrupp, um aus dem Stahlbereich raus zu kommen, und Tata, um Marktführer zu werden. Kurz vor Weihnachten kam die Meldung: "Neun Jahre Sicherheit und Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis 2026". Da ist vielen ein Stein vom Herzen gefallen. Standorte werden erstmal gesichert, Ausbildung und Sozialbetriebe bleiben genauso erhalten, wie die Tarifbindung.

Von uns erkämpfte Zugeständnisse

Das sind von uns erkämpfte Zugeständnisse, obwohl wir den Konzern noch gar nicht an den Profiten getroffen haben. Der Vorstand will unbedingt Ruhe bekommen, um seine Fusionspläne dann über die Hintertür umzusetzen. Wir sollen dem Tarifvertrag zustimmen, damit ein richtiger Streik verhindert wird!

 

Alles soll "sozialverträglich" ablaufen und es gibt "keine betriebsbedingte Kündigung". Das sichert aber keinen Arbeitsplatz, das wissen wir aus bitterer Erfahrung. Schienentechnik, Opel Bochum, Outokumpu oder im Bergbau - die Arbeitsplätze sind für immer weg. Wir haben als Stahlarbeiter eine Verantwortung für die Jugend und unsere Kinder, die brauchen die Arbeitsplätze.

 

Durch Versetzungen, Nichtübernahme von Azubis fallen Arbeitsplätze weg, Leih- und Zeitarbeiter fliegen, ab 2020 gehen viele in Rente und schon braucht thyssenkrupp keine Kündigungen, um die 2.000 Arbeitsplätze zu vernichten. Zumal die ganzen Folgen der Fusion noch gar nicht absehbar sind, aber wir sollen dem schon mal zustimmen. Das kann nicht Sinn und Zweck von Tarifverträgen sein. Wir können doch keinem Vertrag zustimmen, der die Fusion und all seine Folgen akzeptiert!

 

Wenn die bisherigen kleineren Streiks, Aktionstage und Aktivitäten den Vorstand so in die Defensive bringen, können wir auch mehr erreichen. Mit diesem Tarifvertrag wird die Schließung von Anlagen und Standorten vorbereitet, oder warum gilt die Sicherung für Bochum, Duisburg-Hüttenheim und Eichen nur bis 2021? Anstatt den Kampf gegen die Fusionspläne konsequent weiterzuführen, präsentiert uns die Gewerkschaftsführung dieses Ergebnis, als das Beste was es gibt. Unsere Zustimmung für diese Fusion kriegen sie nicht, deswegen ein klares NEIN zu diesem Tarifvertrag!

 

NEIN zur Fusion, JA zu den erkämpften Zusicherungen, JA zum weiteren Kampf gegen die Fusion und alle ihre Folgen - gemeinsam mit den Kollegen von TATA!

 

Wir brauchen die Verlängerung der Arbeitszeitverkürzung und die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, damit sichern wir Arbeitsplätze - für die Übernahme der Azubis, Leih- und Zeitarbeiter!