Kundgebungen und Streiks

Kundgebungen und Streiks

Gewerkschaftliche und selbständige Kampfbereitschaft belebt sich

5.000 Metallerinnen und Metaller aus Baden-Württemberg demonstrierten vorgestern kämpferisch für die Forderungen der IG Metall in der Tarifrunde. In Hannover unterstützen Teile der Stammbelegschaft den Kampf der Leiharbeiter um ihre Arbeitsplätze. Am Düsseldorfer Flughafen streikten Reinigungskräfte, an mehreren Unikliniken gab es Warnstreiks von Pflegekräften.

Von gis
Gewerkschaftliche und selbständige Kampfbereitschaft belebt sich
Streik am Düsseldorfer Flughafen (rf-foto)

Auf einer Großbaustelle in Düsseldorf-Derendorf haben Arbeiter gestern Nachmittag einen Baukran besetzt, um ihren Lohn einzufordern. Nach wochenlanger Arbeit hatten sie nur einen Bruchteil des Lohnes erhalten. Erst nach etwa sechs Stunden verließen die letzten drei Bauarbeiter die Plattform in etwa 50 Metern Höhe - nicht ohne die Zusage des Subunternehmers, den geschuldeten Lohn auszubezahlen.

 

Bergarbeiter in Kasachstan beendeten gestern einen viertägigen entschlossen geführten Streik mit einem großen Erfolg (siehe untenstehender Bericht). Nächste Woche wollen Beschäftigte von Tata Steel in IJmuiden gegen die Fusion mit thyssenkrupp demonstrieren. 5000 Metallarbeiter von VW–Brasil besetzten am 13. Dezember im Kampf gegen Rentenraub die Autobahn »Anchieta« bei Sao Paulo. Bei Volkswagen Autoeuropa Palmela/Portugal geht der Kampf gegen die Wochenendarbeit und Flexibilisierung in die nächste Runde

"Leitplanken für die 19. Legislaturperiode"

Keine Verhandlungsrunde in der laufenden Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie blieb bisher ohne entschlossene Kampfansagen aus den Betrieben. Die Kolleginnen und Kollegen kontern damit das unverschämte "Angebot" von Gesamtmetall und die Angriffe auf Arbeiterrechte und die Lebenslage der Massen. Dazu gehört eine weitgehende Auflösung der Arbeitszeitregelungen, eine Ausdehnung der Arbeitszeit und Abschaffung des Acht-Stunden-Tags.

 

Dies haben die Kapitalistenverbände auch deutlich in ihre "Leitplanken für die 19. Legislaturperiode" geschrieben. Andrea Nahles (SPD), angebliche Anwältin der Arbeiterinnen und Arbeiter, hat diese Forderungen bereits in einen Entwurf zur Verschärfung des Arbeitszeitgesetzes übernommen und steht - wie auch die CDU/CSU - bereit, sie in einer möglichen Großen Koalition weiter umzusetzen.

 

Wie es dabei den Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben geht, ist ihr egal. Dort gibt es hohen Arbeitsdruck und viele Überstunden: „Da gerät mancher auch an seine gesundheitlichen Grenzen. Manche Kollegen haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Ich sehe das so: Wenn man weniger Arbeitszeit hat, schafft das Arbeitsplätze", so ein Metaller auf der Kundgebung in Wuppertal am 14. Dezember.

 

Die kämpferischen Demonstrationen und Kundgebungen in der Tarifrunde und die Kämpfe in den Betrieben hängen also direkt mit der offenen politischen Krise zusammen, in der die Parteien in Berlin nicht in der Lage sind, eine Regierung zu bilden.

Arbeiterjugend prägte das Bild

Eine Korrespondentin aus Bochum berichtet: "Etwa 150 Metallerinnen und Metaller kamen zur Kundgebung der IG Metall zur zweiten Verhandlungsrunde in NRW nach Wuppertal und wurden von der Bühne mit Arbeiterliedern, 'Bella Ciao' und dem 'Solidaritätslied' empfangen. Anteilig besonders vertreten: die IG Metall-Jugend, die das Bild prägte. So waren 20 Azubis von der DEMAG in Wetter dabei – alle organisiert in der IG Metall: „Wir haben uns mit unserer Jugendvertretung getroffen und alles besprochen. Wir werden auf jeden Fall alles versuchen, auch streiken ...“

 

Die Forderung nach freien Tagen vor jeder Prüfung wird natürlich von den Azubis unterstützt, aber ihre Interessen gehen viel weiter. Ein Mitglied des Ortsjugendausschusses Wuppertal: „Man muss mehr auf die Jugend achten ... Ich stehe voll hinter der Forderung nach genereller Arbeitszeitverkürzung, um mehr Arbeit und mehr Leben zu schaffen.“

Ich sehe das so: Wenn man weniger Arbeitszeit hat, schafft das Arbeitsplätze

Ein Kollege

Nach Warnstreik: Abenddemo durch Tübingen

Aus Tübingen berichtet eine Korrespondentin: "Endlich!  Nach dem ersten (Warn-)Streiktag am Uniklinikum Tübingen demonstrierten ca. 1000 Pflegekräfte, Unterstützer/-innen, Studentinnen und Studenten vom Klinikum in die Stadt. Mit dabei Delegationen aus umliegenden Städten. Super, dass überall in der Stadt aus Fenstern, vor Kirchen usw. Solidaritätstransparente hängen.

 

Hauptforderung der Tarifverhandlungen ist eine gesetzliche und tarifliche Mindest-Personalbemessung für die Pflege ... Drastisch wurde die Lage von uns Beschäftigten mit massenhaft Überstunden, holen aus dem Frei, krank machender Schichtarbeit und Dauerstress geschildert. Dass die Klinikleitung behauptet, dieser Stress würde uns von ver.di nur eingeredet, macht die Stimmung eher kämpferischer. Genau wie der missglückte Plan, Krankenpflegeschülerinnen und -schüler als Streikbrecher einzusetzen ..."

Solidarität mit dem mutigen Kampf der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter bei VW entwickelt sich

Im Kampf der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter um ihre Übernahme (Rote Fahne News berichtete) hat ein Prozess begonnen, die von den Konzernen gewollte Spaltung zwischen Leiharbeitern und Stammwerkern zu überwinden. Im Kampf gegen ihre für den 20. Dezember ausgesprochene Entlassung wachsen Unmut und Selbstbewusstsein der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter. Die Auseinandersetzung ergreift immer größere Teile der VW-Belegschaft. Entgegen aller Abgesänge auf ihren Kampf um Arbeitsplätze bleiben die Kolleginnen und Kollegen mutig und aufrecht.

 

Kollegen aus Braunschweig schreiben: "Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben von der Homepage der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz von eurer Kampfaktion für eure Übernahme erfahren und erklären uns mit euch vollständig solidarisch! Die einen sollen arbeiten bis zum Umfallen, die anderen landen auf der Straße. In Braunschweig heißt es, wir haben Personalüberhang. Warum wird dann nicht der Arbeitszeitfixpunkt gesenkt, um Arbeitsplätze zu halten? ... Stammwerker und Leiharbeiter zusammen für eure vollständige und unbefristete Übernahme! Wir werden euren Kampf im Braunschweiger Werk und der IGM bekannt machen. Solidarische Grüße, 14 Kollegen aus der Tiguan-Hinterachsfertigung in Braunschweig".

MLPD mit ihrem Know-How an der Seite der Arbeiter und Angestellten

Die MLPD-Betriebsgruppen haben zahlreiche wichtige Arbeiterkämpfe geprägt und stehen in jeder dieser Auseianndersetzungen fest auf der Seite der Kolleginnen und Kollegen. Die Stärkung der Betriebsgruppen der MLPD ist das Gebot der Stunde.