Betrugsmasche

Protestversammlungen an allen deutschen Opel-Standorten

Für Montag hatten die Betriebsräte der Standorte Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und Eisenach zu Versammlungen aufgerufen.

Von Korrespondenz aus Eisenach
Protestversammlungen an allen deutschen Opel-Standorten
Gemeinsame Protestaktion von Opelanern verschiedener Werke am 16.12.2016 in Eisenach (Foto: RF)

Die jeweiligen Betriebsratsvorsitzenden berichteten über die laufenden Verhandlungen mit PSA/Opel. Den Kolleginnen und Kollegen selbst wurde keine Gelegenheit gegeben, Fragen zu stellen oder ihre Meinung zu sagen.

Rüsselsheimer Opelaner treten für die Übernahme der Leiharbeiter ein (Foto: RF)
Rüsselsheimer Opelaner treten für die Übernahme der Leiharbeiter ein (Foto: RF)

In Kürze:

  • Auf der Streichliste ganz oben stehen die Werke Ellesmere Port (England bei Liverpool) und Eisenach (Thüringen)
  • Pausenversammlungen in Rüsselsheim und Eisenach
  • Jeden Samstag Streik im PSA-Werk Vigo

Von Anfang an zeichnete sich ab, dass die Übernahme von Opel durch den PSA-Konzern mit einer weitgehenden Umstrukturierung der Werke und massenhaften Arbeitsplatzvernichtung einhergehen würde. PSA gab der Opel-Geschäftsleitung ein halbes Jahr Zeit, um die konkrete Umsetzung zu planen. Schließlich wichen PSA/Opel aber vor der Konfrontation mit den kampferprobten Opel- und PSA-Belegschaften zurück.

Keine Kündigungen?

Der dann vorgestellte Zukunftsplan "PACE" wurde in der BILD-Zeitung vom 9. November mit der Schlagzeile angepriesen: „Der Opel Hammer! Exporte weltweit erlaubt! Keine Werkschließung! Keine Kündigungen!“ Das war der Versuch von Opel, mit Hilfe der Massenmedien den Belegschaften Sand in die Augen zu streuen und sie zu beruhigen.

 

Doch die Wahrheit spricht eine andere Sprache. So berichteten die Betriebsratsvorsitzenden, dass die Leiharbeiter rausfliegen sollen und die Verträge mit etlichen Firmen gekündigt wurden. Ihre Arbeit soll jetzt von Stammbeschäftigten übernommen werden. Für viele Kollegen wird immer deutlicher, dass der Zukunftsplan „PACE“ eine einzige Farce ist.

Neue Medienkampagne von PSA

Jetzt kommt das PSA-Management mit einer neuen Masche daher. Mit einer inszenierten Medienkampagne tut PSA so, als sei man beim Kauf von Opel durch GM über den Tisch gezogen worden, und fordert mehr als die Hälfte des Kaufpreises zurück. Man hätte nicht gewusst, was bei Opel hinten aus dem Auspuff kommt und sei jetzt völlig überrascht, dass die CO2- und NOX-Werte so hoch sind.

 

Damit spekuliert die PSA-Führung auf Verständnis unter den Kolleginnen und Kollegen aufgrund der gewachsenen Empörung und Sensibilität über den Abgasbetrug der Autokonzerne. Der Vorwand ist allerdings lächerlich, weil mindestens in Europa kein Autokonzern nicht an solchen Manipulationen beteiligt ist. 

Ganze Werke auf der Streichliste

Dies ist nur ein weiterer Versuch, die Belegschaft weichzukochen, um Werkschließungen, Arbeitsplatzvernichtung und Lohnverzicht zu erpressen. Auf der Streichliste ganz oben stehen die Werke Ellesmere Port (England bei Liverpool) und Eisenach (Thüringen). Die Kolleginnen und Kollegen dort haben mitbekommen, dass es für die Modelle in diesen Werken keine Nachfolgeproduktion geben soll.

 

Gleichzeitig werden die Belegschaften in Vigo und Saragossa (Spanien) sowie in Sochaux und Mühlhausen (Frankreich) zu Samstagsschichten erpresst. Die Kollegen im PSA-Werk in Vigo streiken jeden Samstag gegen diese Ausbeutungssteigerung.

Die Angst des Managements

In den einen Standorten sollen die Kollegen bis zum Anschlag ausgebeutet werden, während die anderen ihre Arbeit verlieren. Die Kolleginnen und Kollegen von PSA und Opel sind gut beraten, ihre Kämpfe zu koordinieren und gemeinsam dieser Spaltung eine Absage zu erteilen.

 

Am 8. November nahm der Werkschutz den Teilnehmern der Rüsselsheimer Pausenversammlung die Lautsprecheranlage weg und rief die Polizei mit der Begründung, das Management hätte Hausrecht in der Werkshalle. Offensichtlich haben sie zu große Angst vor der Reaktion der Kollegen und lügen daher, dass sich die Balken biegen.

CGT-Kollegen solidarisch

In einem Informationsbrief von Repräsentanten der Internationalen Automobilarbeiterkoordinierung (www.iaar.de) für die Konzernzusammenarbeit bei GM und PSA heißt es: "Ein wichtiger Kampf ist in den PSA-Werken Rennes ... und Sochaux (Frankreich) entbrannt. An mehreren Tagen im Oktober streikten etwa 100 Leiharbeiter (interimaires) mit Unterstützung von Kollegen der CGT für höhere Löhne.

 

Am 9. November schickte die Leitung der französischen CGT bei PSA ein Solidaritätsschreiben an die deutschen Kolleginnen und Kollegen, in dem es heißt: 'Die CGT ist überzeugt, dass die Beschäftigten von PSA und Opel nur durch ihre kollektive Mobilisierung ihre Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen verteidigen können.'"

Europaweiter Kampf angesagt

Der beginnende Protest muss auf ganz Europa ausgeweitet werden. Ein konzernweiter selbständiger Streik ist das Gebot der Stunde. Am Freitag, 8. Dezember, ist in Eisenach Betriebsversammlung. Hier gibt es die Gelegenheit, über den weiteren Weg des Kampfs zu diskutieren.

 

Eingeladen zu dieser Betriebsversammlung ist auch Berthold Huber als neuer IG-Metall-Verhandlungsführer bei Opel, denn sowohl der Verhandlungsführer von PSA/Opel als auch der bisherige Verhandlungsführer der IG-Metall, Felix Stumpf, sind erkrankt. RF-News wird weiter berichten.