Metalltarifrunde

Kämpferisches Signal an Monopole und neue Regierung

Am letzten Dienstag, den 10. Oktober, gab der IG-Metall-Vorstand nach einer Klausurtagung seine Empfehlung an die Tarifkommissionen zur Tarifrunde 2018 in der Metall- und Elektroindustrie heraus.

Von mm
Kämpferisches Signal an Monopole und neue Regierung
Kämpferische Metaller (rf-foto)

Er empfiehlt eine Forderung von 6 Prozent mehr Geld und Forderungen zur Arbeitszeit: So soll jeder Beschäftigte für zwei Jahre ohne Begründung und ohne Lohnausgleich seine Arbeitszeit auf 28 Stunden absenken können, mit Zuschuss (kein voller Lohnausgleich) sollen Schichtarbeiter fünf Freischichten erhalten und Metaller mit Kindern unter 14 Jahren die wöchentliche Arbeitszeit um 3,5 oder mehr Stunden verkürzen können.

 

Auch der Manteltarifvertrag muss dazu gekündigt werden. Ende Oktober tagen die bezirklichen Tarifkommissionen und der IG-Metall-Vorstand, um die Forderungen endgültig zu beschließen.

Jetzt ist es Zeit für offensive Forderungen (rf-foto)
Jetzt ist es Zeit für offensive Forderungen (rf-foto)

In Kürze

  • Die Forderungsempfehlung des IG-Metall-Vorstands liegt eher am unteren Ende der Forderungen der Basis
  • Der Wunsch nach Verkürzung der Arbeitszeit ist breit unter den Kolleginnen und Kollegen verankert
  • Jetzt die Tarifauseinandersetzung in den Betrieben vorbereiten!

Die Vorstandsempfehlung für die Lohnforderung ist relativ hoch - gemessen an dem, was der Vorstand in der Regel aus den Basisforderungen macht. Er trägt damit der kämpferischen Stimmung an der Gewerkschaftsbasis Rechnung. So hatte die Tarifkommission Niedersachsen etwa eine Forderung von 7 Prozent für zwölf Monate Laufzeit vorgeschlagen.

Gesamtmetall-Chef NRW stellt Realität auf den Kopf

Der Chef des Metallunternehmerverbands von NRW, Arndt Kirchhoff, sagte zu den Forderungen zur Arbeitszeit bereits: „Die IG Metall will, ... dass wir für nicht geleistete Arbeit bezahlen.“¹

 

In Wirklichkeit ist es doch genau umgekehrt: Der einzige Zweck, warum die Kapitalisten Arbeiterinnen und Arbeiter beschäftigen, besteht darin, dass sie weitaus mehr Werte schaffen, als zur Wiederherstellung ihrer Arbeitskraft benötigt wird. Dass die Lohnhöhe sich daran bemisst - sowie an der Kampfkraft der Arbeiter - und nicht etwa dem Wert der geleisteten Arbeit entspricht, ist wesentliche Grundlage für die Ausbeutung der Arbeitskraft im Kapitalismus.

Kostenlose "Mehrarbeit"

„Alle Arbeit erscheint als bezahlte Arbeit“, schrieb Karl Marx dazu - und weiter, dass im Kapitalismus „die Produktionsmittel .. nur da (sind), um .. mit jedem Tropfen Arbeit ein proportionelles Quantum Mehrarbeit einzusaugen.“ Zum Beispiel „arbeite er (der Arbeiter) drei Tage in der Woche für sich und drei Tage in der Woche umsonst für den Kapitalisten. Aber dies ist nicht sichtbar.“ Aus welchem Grunde, Herr Kirchhoff, beschäftigen sie denn Arbeiterinnen und Arbeiter, wenn nicht wegen dieser kostenlosen Mehrarbeit?

 

Weil der Arbeitslohn dem entspricht, was zur Wiederherstellung der Arbeitskraft benötigt wird, sind die Arbeiter auf höhere Löhne dringend angewiesen, nachdem die Preise, Mieten und Gebühren ständig steigen.

Breiter Wunsch nach Verkürzung der Arbeitszeit

Basis der Arbeitszeit-Forderungen der IG Metall ist der breite Wunsch nach einer Verkürzung der Arbeitszeit, wie er bei der Umfrage der IG Metall bei 680.000 Mitgliedern festgestellt wurde: 88 Prozent wollten eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit. Auf dem IG-Metall-Gewerkschaftstag gab es über 36 Anträge der Basis zur Eindämmung und Reduzierung der Arbeitszeit.

 

Natürlich kommt es dem einen oder anderen entgegen, wenn er aus berechtigten persönlichen Gründen seine Arbeitszeit zeitweise verringern will. Aber die Notwendigkeit der Arbeitszeitverkürzung geht über konkrete persönliche Erfordernisse hinaus und betrifft die ganze Arbeiterklasse. Durch Fusionen wie bei Stahl und Siemens ist mit einer Welle von Entlassungen zu rechnen.

Generelle Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit nötig

Wolfgang Baur, Stuttgarter Metaller, sagte zu Rote Fahne News: „Neben der Arbeitshetze und den Folgen für die Gesundheit machen sich viele Kollegen Gedanken über die kommende Strukturkrise durch Elektromobilität und deren Folgen für die Arbeitsplätze. Wir dürfen nicht nur die momentane Situation sehen, sondern müssen auch in die Zukunft blicken. Zehntausende Jugendliche sind nur befristet beschäftigt oder haben Verträge als Leiharbeiter. Deshalb ist die Forderung nach einer generellen Verringerung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 30 Stunden in der Woche bei vollem Lohnausgleich wichtig.“

 

Sie richtet den Kampf gegen die Ursache der Massenarbeitslosigkeit und der Unterbeschäftigung aus: gegen die Ausbeutung in den Betrieben, die im Prozess der Neuorganisation der internationalen Produktion ständig gesteigert wurde.

Zehntausende Jugendliche sind nur befristet beschäftigt oder haben Verträge als Leiharbeiter

Wolfgang Baur, Stuttgarter Metaller

Völlig zu Recht schreiben Kollegen von Daimler in Hamburg in der Kollegenzeitung Stoßstange: „Natürlich wünschen sich viele Kollegen, weniger zu arbeiten. Das ist auch dringend nötig. Sowohl für unsere Gesundheit, als auch um Arbeitsplätze zu erhalten bzw. zu schaffen. Aber das kann doch nicht davon abhängen, ob man sich den Lohnverlust leisten kann."

IG-Metall-Chef will Tarifkämpfe "begrenzen"

Im Frühjahr 2018 ist auch die Gelegenheit, dass sich die Auseinandersetzung in der Metall- und Elektroindustrie mit der im öffentlichen Dienst verbindet. Dort werden zum 28. Februar 2018 die Tarife für 2,48 Millionen Beschäftigte bei Bund und Gemeinden gekündigt.

 

IG-Metall-Chef Jörg Hoffmann wird in der Stuttgarter Zeitung vom 11. Oktober zitiert: „Einen Großkonflikt halte ich am allerwenigsten für wahrscheinlich“, „Das wird alles begrenzt sein“ und „Wir werden nicht überziehen“.

"Gemeinsame Interessen"?

Das liegt ganz auf der Linie dessen, dass in der Arbeiter- und Volksbewegung verstärkt die kleinbürgerlich-chauvinistische Denkweise angeblich "gemeinsamer nationaler Interessen" mit den "deutschen" Konzernen, der "deutschen" Regierung usw. verbreitet wird.

 

Offensichtlich will die IG-Metall-Führung auch aus Rücksichtnahme auf mögliche Schwierigkeiten bei der Bildung einer "Jamaika"-Koalition die gewerkschaftlichen Kämpfe auf kleinster Flamme halten.

Kämpferisches Signal an Konzerne und neue Regierung

Dazu haben die Arbeiter keinen Anlass. Sie können in den Betrieben und Abteilungen aktiv die Tarifrunde vorbereiten, sie mit selbstständigen Aktivitäten gegen Arbeitshetze und für die Festübernahme von Leiharbeitern, befristeten Kollegen und Azubis verbinden.

 

Dazu gilt es auch, die IG Metall, die MLPD und das Internationalistische Bündnis zu stärken. Von vornherein muss auf den vollen Einsatz der gewerkschaftlichen Kampfkraft hingearbeitet werden, um so auch einer schwächelnden „Jamaika“-Regierung direkt zeigen, mit wem sie zu rechnen hat.