Rund 7.500 Stahlarbeiter kamen am 3. Mai zum Stahlaktionstag nach Duisburg – darunter Kolleginnen und Kollegen verschiedener Werksteile von thyssenkrupp Steel Europe (tkSE) sowie von HKM aus Duisburg, aber auch Stahlarbeiter aus Bochum, Hagen, Dortmund, Krefeld, Neuwied und Eisenhüttenstadt.

Von Gerd Pfisterer
Aktionstag in Duisburg
Stahlarbeiter und MLPD-Landesvorsitzender Peter Römmele bei der Kundgebung (rf-foto)

Bis zu 4.000 Arbeitsplätze will tkSE vernichten. Sofort will der Vorstand die Querteilanlagen in Bochum und bei Thyssen Süd in Duisburg schließen. Die Kolleginnen und Kollegen sind sich bewusst, dass dies nur der Anfang ist – denn damit will tkSE eine Fusion und Ausgliederung des Stahlbereichs vorbereiten.

Große Empörung

Bei tkSE Hamborn und Beekerwerth fuhren die Beschäftigten Anlagen herunter. Am Tor 9 wurden die Kolleginnen und Kollegen von der Internationalistischen Liste/MLPD begrüßt. Mit dabei Gabi Gärtner, Spitzenkandidatin im Landtagswahlkampf und Vorsitzende der MLPD, sowie Peter Römmele, Landesvorsitzender der MLPD – selbst Stahlarbeiter bei tkSE und Direktkandidat in Duisburg.

 

Beide sind langjährige IG-Metall-Mitglieder. Am offenen Mikrofon der Internationalistischen Liste/MLPD kamen Stahlarbeiter aus verschiedenen Standorten zu Wort. Kolleginnen und Kollegen von Ford Köln und Daimler Stuttgart überbrachten ihre Solidarität.

Auszubildende in der Stahlindustrie - um ihre Zukunft geht es besonders (rf-foto)
Auszubildende in der Stahlindustrie - um ihre Zukunft geht es besonders (rf-foto)

tkse-Pläne im Blickpunkt:

  • thyssenkrupp Steel Europe (tkse) will bis zu 4.000 Arbeitsplätze vernichten
  • Längerfristig geplant ist eine Fusion und Ausgliederung des gesamten Stahlbereichs 
  • Sofort will der Vorstand die Querteilanlagen in Bochum und bei Thyssen Süd in Duisburg schließen

Hannelore kneift

SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft war ganz bewusst – entgegen mehrmaliger Einladung der IG Metall – nicht gekommen. Ihre gute Zusammenarbeit mit den tkSE-Vorständen steht für sie über dem Kampf um die Arbeitsplätze. Kein Wunder, ist sie doch Mitglied im Kuratorium der Krupp-Stiftung, dem größten Anteilseigner des thyssenkrupp-Konzerns.

 

Ihr Fernbleiben torpedierte die von einigen SPD-Funktionären geplante Wahlkampfshow und war ein Rückschlag für ihre Klassenzusammenarbeitspolitik. Redner auf der offiziellen Bühne bejammerten vor allem das Missmanagement des Konzerns und forderten ein „Umdenken der Vorstände“.

 

In zahllosen, tiefgehenden Gesprächen wurden dagegen jahrzehntelange Erfahrungen des Ruhrpotts im Kampf um die Arbeitsplätze verarbeitet: Rheinhausen, Bergbau, Opel … Der ganze Kapitalismus ist Missmanagement! Deshalb ist es notwendig, den Kampf um die Arbeitsplätze als Schule des Klassenkampfs und mit der Perspektive des echten Sozialismus zu führen.

Wir müssen unser Herz in die Hand nehmen, unsere Rechnung selbst aufmachen und gegebenenfalls selbständig streiken bis die Pläne vom Tisch sind

Duisburger Stahlarbeiter im Interview

IG-Metall-Bevollmächtigter schickt Polizei

Diese Richtungsdiskussion passte der IG-Metall-Führung absolut nicht ins Konzept. Kaum waren die Vertreterinnen und Vertreter der Internationalistischen Liste/MLPD auf dem Platz, flippte Dieter Lieske, SPD-Ratsmitglied und IG-Metall-Bevollmächtigter in Duisburg aus: „Raus hier! Ihr habt hier nichts verloren.“

 

Tief getroffen angesichts des Fernbleibens seiner Spitzenkandidatin Kraft, verstieg er sich dazu, die Polizei zu holen. Diese schreckte auch vor gewaltsamen Übergriffen nicht zurück. Sechs Polizisten griffen Gabi Gärtner und andere Redner am offenen Mikrofon tätlich an – vergeblich. Empörte Kolleginnen und Kollegen schützten die Redner am offenen Mikrofon. Azubis protestierten lautstark gegen den Polizeieinsatz. „Die kämpfen hier für uns, die Polizei hat hier nichts zu suchen“, so ein Kollege.

 

Polizei und IG-Metall-Führung mussten schließlich kleinbeigeben. Ein Politikum erster Ordnung, wie die SPD-Spitze die Polizei instrumentalisiert, um die Solidarität im Kampf um die Arbeitsplätze zu unterbinden – aus rein parteiegoistischen Motiven. Wer die MLPD kennt, weiß, dass sie seit ihrer Gründung selbstlos an der Seite kämpfender Belegschaften steht.

Kämpferische Richtung gestärkt

Bis zu 500 Kollegen nahmen an der spannenden Solidaritätskundgebung teil. Die kämpferische Richtung wurde deutlich gestärkt. Über 50 Stahlarbeiter trugen sich als Unterstützer des Internationalistischen Bündnisses ein oder wollen in Kontakt mit der MLPD oder dem Jugendverband REBELL bleiben. Weitere 1350 Wahlprogramme wurden verteilt. 93 Kolleginnen und Kollegen nahmen Parteiprogramme der MLPD und spendeten 62,40 Euro dafür. Und nicht wenige tragen sich mit dem Gedanken, am 14. Mai die Internationalistische Liste/MLPD (Liste 26) zu wählen.